Kriminalhauptkommissar hält Vortrag für die Prackenbacher Senioren

21.​01.​2025

Prackenbach. Eine verzweifelt schluchzende, undeutliche Frauenstimme tönt durch den Saal, das Wort „Unfall“ ist zu verstehen. Dann übernimmt eine dunkle Männerstimme, stellt sich als Polizeibeamter vor und informiert über ein angeblich schlimmes Ereignis, weswegen die Frau nun in Haft kommen soll. Die Frau am anderen Ende der Leitung, eine ältere Dame, reagiert geschockt auf das Schicksal ihrer vermeintlichen Tochter und lässt sich von deren Verzweiflung mitreißen – wie von den Betrügern geplant. Eine große Geldsumme soll sie aushändigen und als Kaution für die Freilassung der jungen Frau hinterlegen. Gebannt lauschen die zahlreichen Senioren den Originalaufnahmen des Geschehens, das tatsächlich so stattgefunden hat. „Bei uns gibt es aber keine Kaution!“, betont Kriminalhauptkommissar Manfred Reumann und ermahnt seine Zuhörer, nicht auf solche Darstellungen hereinzufallen. Es handle sich hier um einen sogenannten „Schockanruf“.

 

Am Donnerstagnachmittag hat der kriminalpolizeiliche Fachberater der KPI Straubing den Prackenbacher Senioren bei ihrem Treffen im Bürgerhaus einen Besuch abgestattet und einen kurzweiligen Vortrag mit vielen hilfreichen Informationen und Film- sowie Hörbeispielen zum Thema „Betrüger lauern überall“ gehalten. Nach Kaffee und Kuchen ergriff zu Beginn kurz Seniorenteamleiterin Gerlinde Zweck das Wort, freute sich über die vielen Teilnehmer und stieß mit allen auf das neue Jahr an.

 

Dann übernahm Reumann und stellte zunächst sich selbst und seine Arbeit vor. Er erklärte den Senioren einige Abläufe im Polizeialltag und brachte sie mit zahlreichen Anekdoten zum Schmunzeln. Betrüger seien nicht immer auf große Summen aus, auch kleine summierten sich, sagte er und sensibilisierte unter anderem, Autos und Haustüren zuzusperren, keine Wertsachen sichtbar zu platzieren und Fenster zu schließen. Auch sei es wichtig, stets auf seine Wertsachen zu achten wie zum Beispiel beim Einkaufen im Supermarkt oder Geldabhebung am Geldautomaten, um hier nicht durch einen Täter abgelenkt zu werden. Bei Abhandenkommen einer EC- oder Kreditkarte sollte diese schnellstens gesperrt werden, betonte er, was unter der Rufnummer 116 116 möglich sei.

 

Er zeigte einen alten grünen Dienstausweis aus Papier, ohne Sicherheitsmerkmale und damit leicht zu fälschen. Die neuen sähen aus wie eine Scheckkarte und verfügten über einige Sicherheitsmerkmale. „Die alten gibt´s nicht mehr, aber ich zeig´s Ihnen trotzdem. Es kann ja sein, dass mal jemand einen verloren hat und der in die falschen Hände geraten ist!“ Sollte solch ein alter Ausweis vorgezeigt werden, niemals den Betrügern glauben, stellte er heraus und blendete zum Vergleich ein Foto eines neuen Ausweises ein.

 

Reumann ging auf die verschiedensten Tricks von Betrügern ein. „Heute heißt es: Frechheit siegt!“, was er mit einer alten Geschichte aus der Straubinger Innenstadt vor vielen Jahren untermalte. Als Handwerker verkleidete Betrüger seien einfach in einen Laden marschiert und hätten eine Waschmaschine mitgenommen, angeblich für eine Kundenlieferung – „Da hat keiner der Mitarbeiter nachgefragt ob dies so richtig sei und die Maschine wurde einfach aus den Laden rausgetragen.“ 

 

Sehr anschaulich führte er unzählige Beispiele für Betrugsversuche per Telefon, Nachricht auf´s Handy oder an der Haustür aus. „Der Betrug wird aufgezogen wie eine Theateraufführung und Sie werden einfach in die Geschichte eingebunden“, am Telefon werde man hingehalten oder auch unter Druck gesetzt, so dass man nicht auflegen könne, erklärte er und brachte weitere Beispiele für Betrugsmaschen wie „Enkeltrick“, „falscher Polizeibeamter“, „falsche Gewinnversprechen“, „falsche Handwerker“ oder auch „Vorsicht beim Einkaufen im Internet“.

 

Der Kriminalhauptkommissar hatte natürlich auch Tipps für die Senioren parat, um sich zu schützen oder Betrüger zu entlarven. „Immer hellhörig werden, wenn Sie jemand über persönliche oder Kontodaten ausfragt, immer selbst bei der Bank anrufen!“ Anrufe, bei denen die 110 am Display angezeigt werde, seien zunächst einmal mit Vorsicht zu betrachten, es könne eine Betrugsmasche sein. Bei Onlinebestellungen empfahl er, stets per Nachnahme oder Rechnung zu bezahlen, um nicht auf Betrüger hereinzufallen.

 

Interessiert, erschrocken und ungläubig waren die Reaktionen der Zuhörer auf die Ausführungen Reumanns. Mit kräftigem Applaus bedankten sich die nun sehr nachdenklich gestimmten Senioren für die hilfreichen Ausführungen. Bei einer Brotzeit tauschten sie sich im Anschluss noch eine ganze Weile über das Gehörte aus.

 

Dieser Bericht wurden von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt. 

 

Bild zur Meldung: Kriminalhauptkommissar hält Vortrag für die Prackenbacher Senioren

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Vortrag Betrug Senioren (21.​01.​2025)