Ein Nachmittag im tierischen Paradies

Prackenbach, den 18.​09.​2025

Ein Nachmittag im tierischen Paradies

Kinder besuchten den Tiergnadenhof in Zell im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Prackenbach

 

Zell/Prackenbach. „De san alle ganz lieb. Da braucht´s keine Angst haben, die tun euch nix!“ Mit herzerwärmendem Strahlen streichelt Karl Schweiger einer schwarz-weiß gefleckten Ziege mit langen Hörnern über den Rücken und bückt sich, damit sie ihm ein Bussi geben kann. Die Kinder folgen seinem Beispiel und liebkosen die Ziegen und Ponys, füttern sie mit den zuvor ausgeteilten Fruchtriegeln, die diese so lieben. Am Donnerstagnachmittag waren Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Prackenbach eingeladen, den Tiergnadenhof in Zell und dessen lustige Bewohner zu besuchen.

 

Angela Schweiger öffnet das Tor. „Schön, dass ihr alle da seids!“, begrüßt sie Kinder und Eltern und führt sie zwischen den drei herumtollenden Hunden um die Scheune herum zum Eingang des Freilaufbereichs. Ihr Mann Karl Schweiger in seinem rot-schwarz karierten Hemd holt einen orangefarbenen Eimer hervor. Er verteilt Fruchtriegel zweiter Wahl, die regelmäßig an die Einrichtung gespendet werden. „Aber bei den Ponys bitte aufpassen, immer nur mit der flachen Hand!“ Seit 32 Jahren bietet der Tiergnadenhof ehemaligen Nutztieren ein Zuhause. Rund 80 Tiere leben hier in dem Paradies, das Karl und Angela Schweiger – in den letzten Jahren auch unterstützt vom eigens gegründeten gemeinnützigen Verein – für sie geschaffen haben.

 

Freudig füttern die Kinder die Ziegen, Ponys und Hunde. „Das ist der Blue, wegen seinem einen blauen Auge. Das ist a ganz a braver Kerl. Der wurde auf einem Reiterhof von Kindern geritten. Dem hat ein großes Pferd ein Bein kaputt gehauen, dann sollte er zum Schlachter gebracht werden“, erzählt Karl Schweiger und streichelt dem weißen Pony sachte über den Kopf. „Jetzt darf er bei uns noch viele Jahre genießen!“

 

Außerdem erfahren die Kinder und Eltern weitere Anekdoten zu Lamborghini, dem brauen, und Amadeus, dem schwarzen Pony. „Der Amadeus, das ist der Chef hier drin, der ist noch ein Hengst, ein kleiner ´Gangsta´.“ Mit den Ponys leben zahlreiche Ziegen im weitläufigen Gehen, „zwei ganze Familien“.

 

Weiter geht´s zum Zaun, hinter dem unter anderem einige Enten, Schwäne und auch eine „Warzenente“ – „auf bayerisch nennt man die so, eigentlich is des a französische Flugente“ – leben. „Dem Fritzi sein Weiberl hat der Fuchs geholt, deshalb haben sie ihn uns gebracht, aber Achtung, der zwickt!“ 

 

Staunen im Schweinestall

 

Interessiert lauschen Groß und Klein den liebevollen Erzählungen Karl Schweigers, denen man anmerkt, dass er hier seinen Traum lebt. Aus dem düsteren Stall tönt ein Grunzen, erstaunte Kinder stehen um Schweinedame Roserl herum, die von ihrem Retter getätschelt wird. Sie ist so riesig, dass die Kinder erst ehrfürchtig Abstand halten, dann aber doch näher kommen und Roserl vorsichtig streicheln. Karl Schweiger erklärt derweil, dass Schweine 16 Zitzen haben, mit denen sie ihre Ferkel versorgen können. Im Eck dösen Schweinedame Rickie, die von einem Laster auf dem Weg zum Schlachthof gesprungen ist, und Hängebauchschwein Fleckerl vor sich hin.

 

Das nächste Ziel ist das Schafgehege. Vorsichtig stapfen die Kinder durch das Gatter und werden sogleich überrascht von der daher trabenden Herde, die gleich einem Erdbeben auf sie zurollt, einen Haken schlägt und sich in den nebenliegenden Stall drängt. „So a Verhalten ist normal. Das, das die drei zeigen, eigentlich ned. Das sind unsere Flaschenkinder“, stellt Karl Schweiger Liese, Lotte und Michaela vor. Sie lassen sich nach Herzenslust streicheln und genießen die Aufmerksamkeit der Besucher. Nach dem Schlachten der ganzen übrigen Schafe wurden sie als Lämmer im Heu entdeckt und auf den Tiergnadenhof gebracht. Zwei Neulinge gibt es außerdem zu bestaunen: Karli und Kurti, zwei kleine Kamerunschafe, ebenfalls mit der Flasche aufgezogen. „Betzi, Betzi, hö, hööö!“, ruft der Karl immer wieder und die Kinder schauen sich neugierig nach allen Seiten um, ob sie die beiden Lämmer irgendwo entdecken können. Dann, ganz gemächlich tauchen sie aus dem Gestrüpp auf und schreiten – etwas verschlafen nach diesem Weckruf – auf die entzückte Kindertraube zu.

 

Kleine Andenken verteilt

 

Nachdem noch ausgiebig auf der großen Wiese herumgetollt wurde, macht sich die Gruppe wieder auf den Weg in Richtung Wohnhaus. Dort warten Angela und Madeleine, die ebenfalls auf dem Hof lebt und hilft, bereits und haben kleine, selbst gebastelte Körbchen vorbereitet, die die Kinder mit etwas Heu und kleinen Gummitierchen als Andenken füllen dürfen. Außerdem stehen Süßigkeiten bereit, die ebenfalls eifrig in die Körbchen gepackt und auch gleich schnabuliert werden. Einige Fragen zu Tieren und Verein werden noch beantwortet, die Kinder klettern und rutschen auf den Spielgeräten. Dann verabschieden sich alle und bedanken sich für den ereignis- und erfahrungsreichen Nachmittag. Für den 3. Oktober lädt Angela Schweiger außerdem alle noch zum Tag der offenen Tür mit vielen Aktivitäten ein.

 

Fotos: Lisa Brem

 

Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.

 

Bild zur Meldung: Karl Schweiger (hi.v.l.), seine Frau Angela und Madeleine haben kleine Andenken für die Kinder vorbereitet.

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Ein Nachmittag im tierischen Paradies (18.​09.​2025)