Prackenbach positioniert sich gegen Windkraft im Gemeindegebiet

Prackenbach, den 29.​09.​2025

Gemeinderatssitzung: Bürgermeister sammelt Bedenken und will kritische Stellungnahme einreichen

 

Prackenbach. Das Thema auch unter den Bürgern bekannt machen, nicht „im stillen Kämmerlein einfach durchwinken“. Das sei ihm ein Anliegen und daher habe er den Punkt in die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung aufgenommen, wie Bürgermeister Andreas Eckl am Mittwochabend ausführte. Das Gremium diskutierte über die Sinnhaftigkeit von Windkraft in der Gemeinde und über die Ausweisung eines Vorranggebietes rund um den Bartlberg. Das Ergebnis: ein mehrheitliches Nein. In einem Schriftstück sollen Bedenken gesammelt und als Einwendung an den Regionalen Planungsverband Donau-Wald geschickt werden. Dieser soll aufgrund eines Bundesgesetzes und im Rahmen des Strebens nach Energieunabhängigkeit die Nutzung von Windenergie im Regionalplan Donau-Wald durch die Ausweisung von Vorranggebieten darstellen und dadurch den Bau von Windenergieanlagen auf diese Flächen beschränken.

 

„Wir selbst haben nicht die Absicht, Windräder in der Gemeinde zu errichten“, betonte Eckl zu Beginn seiner Ausführungen in Richtung einiger Zuhörer, die wegen des Themas zur öffentlichen Sitzung gekommen waren. Ein Bundesgesetz schreibe für Bayern eine Ausweisung von 1,8 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete bis 2032 vor. Sei dies bis dahin im Regionalplan nicht erfüllt, entfalle die Bindung an Vorranggebiete für die Errichtung von Windenergieanlagen. Die mögliche Errichtung im Rahmen einer baurechtlichen Privilegierung wäre die Folge. Als „wild west“ bezeichnete er die Vorgehensweise, die er danach befürchte, „dann lieber im Vorfeld die Möglichkeiten auf ausgewählte Gebiete beschränken.“

 

Wasserschutzgebiet in unmittelbarer Nähe

 

Das Gebiet, das in der Umgebung in Frage kommt, befindet sich rund um den Bartlberg und umfasst eine Fläche von rund 44,7 Hektar. 33 davon – ausschließlich Waldfläche –gehören zum Gemeindegebiet, die restlichen zu Rattenberg. In unmittelbarer Nähe: das Wasserschutzgebiet für die Quellen in Friedenstadl und Oberstein, die für die Trinkwasserversorgung Moosbach verwendet werden. Genau das sieht Eckl als größtes Kontraargument. In einer Stellungnahme wolle er sich persönlich gegen ein Vorranggebiet aussprechen und mögliche negative Einflüsse auf Mensch und Tier thematisieren. Gleichzeitig rief er die Bürger auf, sich mit Argumenten an ihn oder die Gemeinde zu wenden oder auch selbst Stellungnahmen zu verfassen. Fristende dafür ist der 8. Oktober.

 

Generell glaube er nicht, dass sich der Bayerische Wald in großem Ausmaß für Windkraft eigne, große Parks wie in Norddeutschland werde es hier wohl nicht geben. Auch der Bartlberg sei wegen fehlender Infrastruktur relativ unattraktiv für etwaige Betreiber – „worüber ich persönlich sehr froh bin.“ Auch viele der Gemeinderäte ließen Zustimmung erkennen.

 

Als erstes meldete sich Matthias Thanner mit Bedenken zu einem Vorranggebiet zu Wort: Ähnlich wie beim Steinbruch Igleinsberg würde das Vorgehen unter anderem bezüglich des Natur- und Emissionsschutzes, sollte es doch so weit kommen, durch eine Ausweisung als Vorranggebiet um einiges erleichtert. „Wir als Gemeinde sollten uns von vornherein negativ dazu positionieren!“ Er sei zwar für den Ausbau erneuerbarer Energien, doch wies darauf hin, dass ohnehin nicht genutzte Energieüberschüsse generiert würden. „Und dann noch die Natur mit Windrädern verschandeln und einen Haufen Holz abhauen“, das unterstütze er nicht. Außerdem habe er sich genau informiert: 23 Jahre dauere es, bis sich ein Windrad auf dem Bartlberg halbwegs amortisiert habe, und das bei perfekten Verhältnissen. Da die Lebensdauer nur rund 25 Jahre betrage, könne man das „gleich vergessen“ und sollte lieber andere Alternativen suchen.

 

Kritik: Bestehende ungenutzte Energieüberschüsse dürfen nicht genutzt werden

 

Dem schlossen sich neben dem Bürgermeister auch Martin Heiland und Michael Kellermeier ausdrücklich an und formulierten ihren Standpunkt noch um einiges kritischer: „Es ist eine Sauerei, dass wir uns mit sowas beschäftigen müssen, weil andere das seit Jahren verbocken“, so Heiland bezugnehmend auf den fehlenden Ausbau von Wasserspeichern in der Region. Applaus aus den Reihen der Zuhörer folgte. Außerdem werde trotz stetigen Ausbaus der Strom für niemanden günstiger.

 

Kellermeier kritisierte, dass bereits existierende und gut laufende Stromproduktion gedeckelt werde und die Energie gar nicht vollends genutzt werden dürfe. Er nannte als Beispiel das Kraftwerk am Höllensteinsee. Als „reinen Wirtschaftsfaktor“, der gar nicht gebraucht werde, bezeichnete er daher den Ausbau der Windkraft im Bayerischen Wald, „rentieren wird sich das nicht!“. Zwar werde jetzt alles in Aufruhr versetzt und viel diskutiert, „doch im Endeffekt können wir gar nichts machen. Die da oben entscheiden sowieso, wie sie wollen.“

 

Gemäßigter äußerte sich Reinhold Högerl und betonte den stetig steigenden Energiebedarf und die günstige Produktion durch Windkraft. Die Technik schreite dermaßen schnell voran, wie auch bei PV, dass in einigen Jahren Windkraft im Bayerischen Wald vielleicht doch rentabel werden könne.

 

Eberhard Preiß informierte über Planungen im Landkreis Cham, wo Bürger sich künftig am Bau von Windkraftanlagen beteiligen können, „der Gewinn bleibt dann daheim.“ Außerdem senke das auch den Widerstand in der Bevölkerung, „die sind schon einen Schritt weiter.“

 

Das Gremium sprach sich bei der anschließenden Abstimmung mit großer Mehrheit dafür aus, eine klare Position gegen ein Vorranggebiet und eine Windkraftanlage im Gemeindegebiet einzunehmen, Bedenken zu sammeln und in einem Schriftstück an den Regionalen Planungsverband Donau-Wald weiterzuleiten.

 

 

Fotos: Lisa Brem

 

Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.

 

Bild zur Meldung: Der Prackenbacher Gemeinderat diskutierte über die Ausweisung eines Vorranggebietes für Windkraft am Bartlberg. Das Abstimmungsergebnis: ein mehrheitliches Nein.

Fotoserien


Prackenbach positioniert sich gegen Windkraft im Gemeindegebiet (29.​09.​2025)