Aus der Bürgerversammlung 2025
Viele Projekte, sinkender Schuldenstand
Prackenbacher Bürgerversammlung: Zahlreiche Zuhörer lauschten den Ausführungen des Bürgermeisters
Prackenbach. Vollständig gefüllt war am Donnerstagabend der Schulungsraum im neuen Prackenbacher Feuerwehrhaus, in den Bürgermeister Andreas Eckl zur jährlichen Bürgerversammlung eingeladen hatte. 70 Gemeindebürger waren gekommen und spendeten am Ende der Ausführungen Applaus für die Arbeit des Gemeindeoberhaupts und der Gemeinderäte.
Nach der Begrüßung ging Eckl zunächst auf einige statistische Daten ein, wie unter anderem die Einwohnerentwicklung, Kirchenaustritte oder Eheschließungen. Derzeit sei der Einwohnerstand 2.802, die Altersstruktur sei gut gemischt, das Verhältnis von männlich und weiblich nahezu 50 zu 50. Außerdem erinnerte er an zwei herausragende Persönlichkeiten in der Gemeinde, die in diesem Jahr zu Grabe getragen hatten werden müssen: der ehemalige Geschäftsleiter der Gemeinde, Franz Kolbeck, und ein „Tausendsassa der Kirche“, Ferdinand Klement. Beide seien sehr präsent im Gemeinde- beziehungsweise Kirchenleben gewesen und hätten sich mit enormem Engagement eingesetzt.
Gemeindeschulden sinken, Landkreisschulden steigen
Weiterhin ging der Bürgermeister auf Daten des Haushalts ein, der Gesamthaushalt 2025 belaufe sich auf 6.701.830 Euro. Außerdem berichtete er von einer enorm positiven Entwicklung des Schuldenstandes, von 2,9 Millionen im Jahr 2014 auf 0,46 Millionen in 2025. Allerdings sei die Lage im Landkreis sehr prekär, was auch unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunen haben werde in den kommenden Jahren. „Die Gemeinden speisen den Landkreis durch die Kreisumlage“, und die werde voraussichtlich deutlich ansteigen. Auf Landkreisebene gebe es derzeit einige Großprojekte wie der Neubau der FOS/BOS Regen, die Generalsanierung der Realschule Zwiesel oder Bauarbeiten an der Arberlandklinik Viechtach. Dies seien auch Projekte, von denen die Gesamtbevölkerung profitiere. 2025 betrage die Verschuldung des Landkreises rund 14,4 Millionen Euro, 2028 werde mit rund 105,3 Millionen Schulden gerechnet, so Eckl, um das Ausmaß der Situation zu verdeutlichen.
Auch auf die seit heuer neu geltenden Steuersätze der Grundsteuer ging er ein, das Ziel, mit der Anpassung der Hebesätze die meisten Bürger nicht stärker zu belasten, sei erreicht worden. Der Breitbandausbau war ebenfalls Thema: Es seien keine Probleme bekannt, durch ein Förderprogramm sei nahezu die gesamte Gemeinde sehr gut mit Glasfaser versorgt, „bei rund 80 Prozent geht das Glasfaserkabel direkt ins Haus.“ Daher sei es derzeit schwierig, in neue Förderprogramme zu kommen, da Kommunen mit schlechterer Ausgangslage bevorzugt würden.
Im Weiteren ging das Gemeindeoberhaupt auf einzelne Projekte ein, wie das mittlerweile bayernweit bekannte Dorfgemeinschaftshaus Viechtafell, das heuer fertiggestellt wurde. Durch den enormen Einsatz der Bürger seien nur Kosten für Materialien angefallen, und dafür habe es Fördergelder gegeben. Der Bauhof habe sich in geringem Maße beteiligt, „das war´s dann aber auch schon.“ Alles andere sei ehrenamtliche Eigenleistung der Dorfbewohner gewesen. Ein Vorzeigeobjekt, das deshalb im Nachgang sogar weitere Förderungen für eine PV-Anlage, einen Spielplatz und einen Holzofen erhalten habe, „das ist einmalig, soweit ich weiß!“
Zwei neue Baugebiete gebe es im Gemeindegebiet: In Krailing werden fünf Baugrundstücke unterhalb der Kirche entstehen, dafür wolle er „die Werbetrommel rühren“. Einen Interessenten gebe es bereits, bei einem weiteren begännen die Arbeiten an der Zufahrtsstraße. In der Novembersitzung des Gemeinderats wurde außerdem beschlossen, ein weiteres Baugebiet in Moosbach mit 27 Parzellen anzugehen, „baureif“ sei das wahrscheinlich Ende 2027. Als weitere Projekte nannte Eckl unter anderem Asphaltierungsarbeiten, den gut laufenden Dorfladen Moosbach, die Verlegung der Pumpstation Kugelbach, die derzeit entstehende Lagerhalle in Moosbach sowie die Verbindungsstraße zwischen Tafertsberg und Tafertshof. 2026 würden die Sanierung der Schulsportanlage sowie der Ausbau der Wiedenhofstraße in Angriff genommen.
Thema Steinbruch ruht derzeit
Das Thema Steinbruch Igleinsberg ruhe derzeit, weil Nacharbeiten seitens des Antragstellers notwendig seien. Daher sei auch der Erörterungstermin im September abgesagt worden. Es handle sich um die Gebiete Naturschutz, Wasserwirtschaft und Denkmalschutz, soweit er wisse, erklärte Eckl. Doch er gehe davon aus, dass dieses Thema im nächsten Jahr wieder Fahrt aufnehmen werde. Seitens der Gemeinde sei auch eine Stellungnahme mit Bedenken eingereicht worden, positiv hob er hervor, dass es einige Treffen und Sitzungen mit der gegründeten Bürgerinitiative gegeben habe.
Ein weiteres, die Meinungen teilendes Thema sei die Windkraft. In der Gemeinde sei nur der Bartlberg als Vorranggebiet in Frage gekommen, doch er gehe davon aus, dass dies aufgrund verschiedenster Schwierigkeiten nicht vollzogen werde. Für Ende 2026 freue er sich, ankündigen zu können, dass eine Hausarztpraxis von Dr. Michael Hauptmann eröffnen werde.
Gegen Ende seiner Ausführungen hob er das ehrenamtliche Engagement aller hervor, die sich an der Vereinsarbeit, am Ferienprogramm für Kinder sowie an der Seniorenarbeit beteiligen, und sprach seinen größten Dank aus. „Freude ist der Gegenwert für euren Einsatz!“
Im Anschluss waren die Bürger aufgerufen, Fragen oder Anliegen zu äußern. Unter anderem wurde der Einfluss des Schuldenstandes des Landkreises aus den Zuhörerreihen kritisiert und gefragt, ob die Bürgermeister sich dagegen wehren könnten. Eckl betonte, dass keiner seiner Bürgermeisterkollegen begeistert sei von der anstehenden Erhöhung der Kreisumlage, dennoch sei das Vorgehen klar gesetzlich geregelt. In einer weiteren Wortmeldung wurde angeregt, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 auf der B85 auszuweiten bis zur Abzweigung nach Moosbach, aufgrund von Lärmbelästigung und Gefahrenstellen wegen mehrerer kleiner Abzweigungen. Man nehme dies in die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung auf, so Eckl.
Im Anschluss wurden Führungen durch die Räumlichkeiten des neuen Feuerwehrhauses angeboten.
Kein Wasserschutzgebiet – keine Eigenversorgung
Infos zur aktuellen Situation der gemeindlichen Wasserversorgung auf der Prackenbacher Bürgerversammlung
Prackenbach. Wenn die Situation so bleibe, werde früher oder später die Eigenversorgung aufgegeben werden müssen und der Prackenbacher Hochbehälter ausschließlich durch Fernwasser aus der Trinkwassertalsperre Frauenau gespeist werden. Diese Aussage stellte Bürgermeister Andreas Eckl bei der Bürgerversammlung Ende vergangener Woche in den Raum. Der Knackpunkt: ein fehlendes Wasserschutzgebiet nahe Schwaben, das an der Haltung der Grundstückseigentümer scheitere. In Moosbach stehe im kommenden Jahr dagegen das Großprojekt „Hochbehälter-Neubau“ an.
Der im Jahr 2008 neu erbaute Hochbehälter bei Hagengrub könne mittlerweile mit Fernwasser befüllt werden, „wir werden somit nicht das Problem haben, dass wir ohne Wasser dastehen“, erklärte Eckl. Jedoch müssten laut aktuellen Vorgaben die Quellen im Schutzgebiet Zone I im Eigentum der Gemeinde sein oder mindestens auf 30 Jahre dringlich gesichert. Beide Varianten seien derzeit nicht möglich, er habe die Grundstückseigentümer in mehreren persönlichen Gesprächen nicht davon überzeugen können. Daher werde der Vollanschluss ans Fernwasser früher oder später kommen. Ihm sei wichtig, die Situation klar zu kommunizieren, da er mit einem – so wörtlich – „Shitstorm in sozialen Medien“ rechne, wenn eigene Quellgebiete aufgegeben werden. Seitens der Gemeinde sei man jederzeit offen für weitere Gespräche und eine Wende, denn das Ziel sei es, die eigene Wassergewinnung aufrecht zu erhalten, wie er signalisierte.
Im Ortsteil Moosbach dagegen habe man positive Gespräche mit den Eigentümern rund um das Quellgebiet in Oberstein führen können. Die Grundstücksverhandlungen seien erfolgt, die Trasse der Zuleitung zum neuen Hochbehälter geplant. Was noch fehle, sei das Wasserrecht, diesbezüglich müsse ein hydrologisches Gutachten aus dem Jahre 1999 fortgeschrieben werden. „Doch die Planungsbüros sind überlastet“, so der Bürgermeister, der auf einer Karte den Verlauf der Trasse wie auch den neuen Standort zeigte, nahe der Abzweigung von der B 85 nach Moosbach. Man hoffe auf einen Projektbeginn im Jahr 2026.
Aus altem Feuerwehrhaus wurde Bauhofhalle
Rückblick auf das Großprojekt „Neues Feuerwehrhaus“ auf der Prackenbacher Bürgerversammlung
Prackenbach. Eines der wohl größten gemeindlichen Projekte der vergangenen Jahre ist das neue Prackenbacher Feuerwehrhaus, daher verlegte Bürgermeister Andreas Eckl die Bürgerversammlung am Donnerstagabend in die neu entstandenen Räumlichkeiten. Im Anschluss konnten alle Interessierten an einem geführten Rundgang teilnehmen.
Mit insgesamt 2,46 Millionen sei das Projekt in den Haushalt aufgenommen worden, die eigenen Kosten der Gemeinde beliefen sich trotzdem bisher nur auf knapp 1,63 Millionen, dank einer Förderung in Höhe von 411.000 Euro und vor allem auch dank des enormen ehrenamtlichen Engagements der Vereinsmitglieder. Dies hob Eckl besonders hervor und bedankte sich zum wiederholten Male, nachdem er mit Bauskizzen und Fotos auf die Bauphase zurückgeblickt hatte. Auch der dritte Stellplatz in der Fahrzeughalle werde bald besetzt sein, für 69.000 Euro habe man ein gebrauchtes TSF mit 7 Plätzen erworben, das Mitte 2026 geliefert werde.
Hand in Hand mit dem Projekt sei ein weiteres gegangen: die Erweiterung des benachbarten Bauhofes, der in die Räumlichkeiten des alten Feuerwehrhauses integriert wurde. Der Standort sei ideal, die Wege zu Kindergarten, Schule und Rathaus kurz. Die Halle werde bereits für die Fahrzeuge genutzt, auch Sozialräume ständen nun zur Verfügung.
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: Zahlreiche Bürger waren am Donnerstagabend zur Bürgerversammlung im neuen Prackenbacher Feuerwehrhaus gekommen.