Standing ovation beim „Mutausbruch“ der Prackenbacher Podcasterinnen „frisch & faltig“ im Konzerthaus Blaibach

Prackenbach, den 04.​05.​2026

Emotional, mitreißend und amüsant

Standing ovation beim „Mutausbruch“ der Prackenbacher Podcasterinnen „frisch & faltig“ im Konzerthaus Blaibach

 

Blaibach/Prackenbach. Zusammengekauert sitzt eine Gestalt in grauem Anzug auf der Couch auf der Bühne. In der Hand hält sie eine bunte Puppe, die sie immer wieder nachdenklich mit traurigem Blick mustert und an sich drückt. „Irgendwo tief in mir, bin ich ein Kind geblieben…“, schallt kraftvoll, durchdringend und sehnsuchtsvoll durch die Zuhörerreihen im imposanten Saal des Konzerthauses Blaibach, „…zu spät, zu spät, zu spät.“ Die unscheinbare Gestalt erhebt sich und weicht einem Wegweiser aus, den die hell gekleidete und strahlende Kumpanin ihr immer wieder fröhlich und auffordernd präsentiert. Aufschrift: Abenteuer. Synchron dazu erklingen die volltönenden und glasklaren Stimmen der Herzwerk-Musiker und inszenieren einen bekannten Pur-Song, treffen die Zuschauer- und -hörer mitten ins Herz. Resümieren den emotionsgeladenen Abend: „Komm mit mir ins Abenteuerland – und tu´s auf deine Weise!“ Nach kurzen Ausflüchten und „Morgen!“-Rückweisern, ringt sich Lydia Schmidberger durch und entledigt sich ihres farblosen Schutzpanzers, steht bald in leuchtendem Pink neben Lisa Högerl auf der Bühne und singt und tanzt mit. Standing ovation. Der „Mutausbruch“ der Podcasterinnen „frisch & faltig“ am Donnerstagabend war ein Erfolg auf ganzer Linie.

 

Schon als zu Beginn roh und ursprünglich der charakteristische Schrei und die rhythmischen Trommelklänge des Stücks „Der ewige Kreis“, Anfangslied aus „König der Löwen“, ertönen, laufen Gänsehaut-Schauer durch die Reihen. Mit Katharina Peter, Sebastian Mayer, Basti Hagengruber und Kilian Keim – vier außergewöhnlichen Musikern des Projekts „s´Herzwerk“ – haben die beiden Mutmacherinnen ihr musikalisches Pendant engagiert, das ihr unterhaltsames, ergreifendes und lehrreiches Programm zu den Themen Talente und Macken, Selbstfindung und -akzeptanz, Glück und Mut nicht nur untermalt, sondern es in Klang und Melodie überträgt und so die Herzen des Publikums berührt.

 

Veranstaltung war ausverkauft

 

Mit rund 200 Karten war die Veranstaltung vollständig ausverkauft, es gab eine Warteliste. Lisa und Lydia, ihres Zeichens Therapeutin und Coach in mehrerlei Hinsicht und neben Einfühlungsvermögen auch mit reichlich Fachwissen und Lebenserfahrung ausgestattet, zeigten sich sowohl überrascht als auch begeistert von den vielen „Ehrengästen“, wie sie all ihre Zuschauerinnen – unter die sich jedoch auch Zuschauer gemischt hatten – begrüßten. Alle Facetten des Lebens, Marotten, Ängste, Schwierigkeiten sowie Träume, Glück und Herzenswünsche sollen Teil des Abends werden, führten sie in ihrer charakteristisch dialekt- und humorvollen Art ein: „Sich trauen, anders zu denken, mal leise oder auch laut zu sein, Fragen zu stellen oder einfach da zu sein“, beschwor Lisa die Zuhörer.

 

Gemeinsam mit Sebastian Mayer und seiner klangvollen, tiefen Bassstimme gaben sie eine Interpretation des Stücks „Der Alchimist am Rande der Welt“ wieder, die unter die Haut ging und so manchen zu Tränen rührte: Sie zeichneten das Leben eines Mädchens, das fröhlich über den Asphalt tanzt, zur angepassten, unscheinbaren Frau, die das Leben an sich vorbeiziehen sieht und schließlich zur Großmutter, die ihrer Enkelin auf dem Sterbebett den einen Rat mitgibt, den sie sich so für ihr eigenes Leben gewünscht hätte: „Du bist gut, so wie du bist!“

 

Persönlichste Einblicke auf der Bühnen-Couch

 

Neben tiefen und berührenden Einblicken in Lebensherausforderungen, die die beiden Protagonistinnen selbst erlebt oder gemeistert haben, und stimmgewaltig, gefühlvoll und ergreifend dargebotenen Musikstücken und Liedern waren auch drei herausragende Frauen aus der Region zu Gast und stellten sich auf der Couch persönlichsten Fragen.

 

Als erste nahm Anneliese Kraus, Erbin des Harlachbergs, Ideengeberin und ausführende Kraft hinter dem mittlerweile dort etablierten „Imperium“, so Lydia, gegenüber der Frau hinter „faltig“ Platz („Warum ich mich für diesen Ausdruck hergebe? Ganz einfach: Weil es so ist!“). Auf Lydias Fragen antwortete die sympathisch-schlicht wirkende Frau mit Seelenruhe, die laut eigenen Aussagen notwendig sei für das Jonglieren mit Millionen. Klar sei für sie gewesen, dass solch ein wunderbarer Ort erhalten werden müsse. Schritt für Schritt habe sich alles zu einem Millionenprojekt entwickelt, sie habe versucht, nicht zu viel darüber nachzudenken und einfach gemacht. Genau das war auch ihr Rat an das Publikum: „Mach´s einfach, sei mutig!“ Und im Hinblick auf die anstehende Übergabe auf die jüngere Generation: „Mut ist auch, sich selbst zurückzunehmen und die Jungen ihren eigenen Weg gehen zu lassen!“

 

Über Liebe, Schmerz und unglaubliche Stärke sprach Lisa mit ihrer ehemaligen Arbeitskollegin Corinna Eichinger. Die adrette Frau berichtete gleichzeitig gefasst und von Trauer berührt von ihrem Schicksal, die plötzliche, tödliche Diagnose ihres Ehemanns zu verkraften, stark zu bleiben und den Weg bis in den Tod gemeinsam zu gehen, in ihrem Zuhause. In persönlichsten Einblicken berichtete sie von der schweren Zeit, die nicht einmal ein Jahr her ist, und rührte die Zuhörerschaft mit ihrem außergewöhnlichen Einsatz, ihrem Durchhaltevermögen und Mut zu Tränen. Trotzdem sei diese Zeit eine der intensivsten ihrer Liebe gewesen, sie erinnere sich an viele schöne Momente, gewann sie der schlimmen Situation dennoch Gutes ab. „Jetzt weiß ich, dass ich alles schaffen kann!“, diesen Satz habe sie nach dem Tod gesagt und damit Lisa tief beeindruckt, obwohl Corinna selbst sich daran gar nicht mehr erinnerte. Für Trauernde sei es sehr wichtig, über den Verlust sprechen zu dürfen, legte sie dem Publikum ans Herz. „Der Verstorbene ist Teil des eigenen Lebens, damit stirbt auch ein Teil von einem selbst. Das ist, als ob man nicht mehr über sich selbst reden darf!“ Ihren ersten großen Mutausbruch sah sie in der Pflege des Geliebten bis zum Tod, den zweiten, auf dieser Couch zu sitzen und öffentlich darüber zu sprechen. „Wenn nur einer für die Zukunft etwas mitnimmt, dann hat das einen Sinn gehabt!“, schloss sie ihr Interview und griff zu den Taschentüchern, wie auch der Rest des Konzertsaals.

 

Nach einer Zwischenpause, in der im Vorraum bewirtet wurde, ging es fröhlicher weiter mit dem Stück „Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein!“, bevor eine der beiden Gründerinnen von „s´Herzwerk“, Kathrina Peter, auf die Couch gebeten wurde. „Fähigkeiten, Leidenschaften, Talente. Jeder von uns hat etwas, das uns lebendig macht“, führte Lisa ein. „Und wenn Katharina singt, dann passiert was im Raum!“ Musik sei schon lange ihre Leidenschaft, erklärte die hauptberufliche Berufsschullehrerin. Während der Pandemie sei es um viele Musiker ruhiger geworden und gemeinsam mit ihrer Freundin Julia Lange sei sie auf die Idee gekommen, ein Netzwerk aus Freunden aufleben zu lassen. In redseliger, liebenswürdiger und unterhaltsamer Weise – entgegen ihrem Statement, lieber zu singen, als zu reden – berichtete sie von unerwarteten Erfolgen der Gruppe, der mittlerweile in Vollbesetzung um die 20 Musiker angehören, von in Minuten und immer wieder ausverkauften Konzerten in der Viechtacher Stadthalle und von dem meist schönen, aber auch teils anstrengenden Miteinander. „Konflikte hinter der Bühne? Pack mal aus“, bohrte Lisa mit wackelnden Augenbrauen und ansteckendem Grinsen nach und das amüsierte Publikum lauschte gebannt. Mit einem gewitzt vorsichtigen Seitenblick zu ihren Mit-Musikern erklärte Katharina, dass es natürlich kleinere Reibereien bei einer solchen Anzahl an verschiedenen Meinungen gebe. Auch daheim sei sie gestresst, was ihre Familie in Zeiten von vielen Proben durchaus mal aushalten müsse. Warum sie trotzdem überzeugt vom Projekt ist? „Weil es einfach Freude macht. Wir müssen nicht, wir machen das freiwillig. Und man bekommt einfach so viel zurück!“

 

Appell an Eltern: „Unterstützt den Weg eurer Kinder mit Stolz!“

 

In einem letzten Teil trat Lydia auf der Bühne nach vorne und sprach ein Thema an, das ihr persönlich sehr am Herzen liege. In ihrer langjährigen Berufserfahrung habe sie immer wieder selbst gesehen, wie viel der richtige Mensch am richtigen Platz bewirken könne. Daher forderte sie alle Eltern auf, den Lebensweg ihrer Kinder zu akzeptieren und sie zu unterstützen, egal welche Herkunft, egal welcher Berufswunsch: „Hört euren Kindern zu, unterstützt sie! Und die Königsdisziplin: Unterstützt sie mit Stolz!“ Denn es gebe kein schöneres Gefühl, als stolz auf seine Kinder zu sein, wie sie nun mal seien. Und, elterlichen Stolz im Rücken zu haben.

 

Nach den eindrucksvollen und mitreißenden Darbietungen von Peter Maffay´s „Nessaja“ aus „Tabaluga“ und Pur´s „Abenteuerland“, wonach sich der Saal zum langanhaltenden, kräftigen Applaus von den Plätzen erhob, brachten die Musiker den passenden musikalischen Abschluss in bayerischer Zusammenfassung: „Scheiß da nix, dann feid da nix!“

 

Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt. 

 

Bild zur Meldung: Standing ovation: Der „Mutausbruch“ der beiden Podcasterinnen „frisch & faltig“ im Blaibacher Konzerthaus gemeinsam mit vier Musikern von „s´Herzwerk“ und mutigen Frauen aus der Region war ein voller Erfolg.

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