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Altes Handwerk: Johann Schedlbauer aus der Gemeinde Prackenbach bindet Reiserbesen

12.​03.​2025

Fegen wie früher

 

Altes Handwerk: Johann Schedlbauer aus der Gemeinde Prackenbach bindet Reiserbesen

 

Viechtafell. „Mei, gelernt…“ Der rüstige 77-Jährige sperrt die Tür zu seiner Werkstatt im Garten auf und überlegt. „Zugeschaut hab ich meinem Vater oft. Aber wirklich erklären kann i das auch niemandem. Des muss man selber rauskriegen!“ Er tritt ein. Und da liegen sie auch schon: Reiserbesen (oder Reisigbesen). Vormals in fast jedem Haushalt und auf jedem Hof genutzt, heute wie ein Relikt aus früheren Zeiten oder nur aus Dekorationszwecken bekannt. Doch Johann Schedlbauer aus Viechtafell bei Prackenbach übt das alte Handwerk mit Leidenschaft aus, im Winterjeden Tag – „I könnt ja ned den ganzen Tag nur drin sitzen!“

Der schelmisch grinsende Rentner schaut mit freundlichen Augen hinter seiner Brille hervor und zeigt einen langen Weidenzweig. „Schau, so lang müssen die Rötlen sein. Mindestens 1,50, damit man damit einen Besen binden kann.“ Die „Rötlen“ (Rötlinge) sind Zweige von roten Weiden, die von den weißen eigenen sich nicht, wie der Hans erklärt. Sie sind zu spröde. Die Weidenzweige nimmt er als Befestigung, die den eigentlichen Besen aus Birkenreiser zusammenhält. Keinen Draht wie der Vater. Damit wär´s zwar viel einfacher, „aber auch einfach ned so schön!“ Ein Fuß steigt auf den langen Weidenzweig und hält ihn am Boden fest. Mit starken Händen greift er abwechselnd und dreht ihn und dreht ihn. Bis er „gwoigisch“ (nachgiebig) ist und ohne zu brechen fürs Binden verwendet werden kann. „Da braucht man schon gesunde Hände!“

 

Reiserbesen als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke

 

Die hat der ehemalige Lkw- und Busfahrer. Seit 2012 ist er in Rente, aber auch vorher hat er immer wieder mal Reiserbesen hergestellt. „I mach die Arbeit einfach gerne.“ Das Besenbinden sei sein größtes Hobby geworden. Neben seiner Hasenzucht und der Holzarbeit. Als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke seien seine Besen bei Freunden und Bekannten beliebt. Viele rechneten schon damit, regelmäßig ausgestattet zu werden. Oder auch für Christbaumversteigerungen habe er welche gespendet. Viel da ist nicht mehr von der heurigen Winterproduktion.

„Die frischen und grünen muss man aber bis zum Sommer aufheben, sonst kehren sie sich zu schnell zu“, erklärt Johann Schedlbauer. Verwendet werden die Reiserbesen oft zum Abkehren von Schnee im Winter oder abgefallenem Laub im Herbst. Auch Moosablagerungen von Dächern können damit gut entfernt werden, das mache sein Sohn immer. „Mei, und früher hat´s ja auf jedem Hof mehrere Reiserbesen gegeben, schon allein im Stall.“ Die „gstumpadn“ und kurzen habe man genommen, um den Mist weg zu kehren. Größere, um den Futtertisch der Kühe zu reinigen. „Aber heute auf den großen Bauernhöfen haben´s ja überall

Kehrmaschinen.“

 

Aus der ganzen Gemeinde bekomme er immer wieder das Angebot von Wiesen- und Waldbesitzern, Birken- oder Weidenzweige abzuholen. „Die sind froh, wenn jemand das Zeug nimmt und i lass immer alles sehr sauber zurück, des is mir sehr wichtig.“ Doch nicht alle Zweige eignen sich. Das Birkenreiser muss jung und „gstammig“ sein, wenn schon Samen gewachsen sind, ist es zu brüchig. In der viel und auch als Lagerraum genutzten Werkstatt mit wärmendem Holzofen wird dann erst mal „geputzt“ – das Reiser zugeschnitten, sodass ein gleichmäßiger Besen entstehen kann. Drei Zweige nimmt Hans Schedlbauer in die rechte Hand, mit der linken reißt er ab, was nicht gebraucht wird. Meist mit einem Handschuh. Hornhaut an den Händen ist bei dieser Arbeit aber ganz normal, sagt er und zuckt mit den Schultern. Die dünneren Reste werden „Reiserbüschel“, geeignet für kleinere Arbeiten oder auch zur Dekoration. Die dickeren Abschnitte werden im Garten seiner Frau verwendet, als Belag für die Gänge zwischen den Beeten, ähnlich wie Mulch. Weggeworfen wird nichts. 

 

Die „Maschine“ ist unverzichtbar

 

Ist der Hans zufrieden, kommt die „Maschine“ zum Einsatz, ein hölzerner Bock mit einer Art metallenen Zange. Wie sie genau bezeichnet werde, wisse er gar nicht, aber ohne sie gehe es nicht. Zusammen mit dem Weidenzweig wird das geputzte Birkenreiser eingespannt. „Dann muss man den Rötlen drei bis vier Mal rundum wickeln, aber richtig streng!“ Denn wenn die Zweige trocknen, gebe das Ganze ja nochmal nach.

 

Auf die Frage nach dem Arbeitsaufwand kommt die Antwort: „Mei, des darfst ned sehen!“ Das Binden selbst gehe relativ schnell, sei halt anstrengend. Aber die ganze Vorarbeit nehme schon viel Zeit in Anspruch. „Sag ma mal, für zehn Besen brauch i ungefähr zwei Stunden alleine zum Abreißen und Abschneiden vom Material an den Bäumen.“ Dann das Putzen, Abdrehen und Wickeln. Das macht ihm aber nichts aus. 

Gartenbauvereine haben Interesse an Kursen zum Besenbinden, sagt er. Auch sein Schwiegersohn zeige Interesse an der alten Handarbeit und Hans Schedlbauer ist froh, sein Wissen weitergeben zu können.

 

 

Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.

 

Bild zur Meldung: Altes Handwerk: Johann Schedlbauer aus der Gemeinde Prackenbach bindet Reiserbesen

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