Zu Besuch in „Ingrid´s Garden“
Zu Besuch in „Ingrid´s Garden“
Blumenliebhaberin Ingrid Hackl aus Altwies erzählt von ihrer Leidenschaft – Über 220 verschiedene Rosenarten blühen auf ihrem Gartenareal
Altwies/Moosbach. „Ich mag alle meine Blumen gleich gern!“ Sie streichelt schmunzelnd über das zarte, rote Blütenblatt der Edelrosenart Burgund in ihrer Hand und riecht genüsslich daran. „Aber der Duft ist einfach phänomenal! Wenn ich mich entscheiden muss, dann für die Rose.“ Und davon blühen über 220 verschiedene Sorten in „Ingrid´s Garden“. Auf 4800 Quadratmetern, in unterschiedlichsten Kombinationen, in zahlreichen bunten, herrlich arrangierten Beeten. Regelmäßig empfängt Ingrid Hackl Besucher in ihrem blühenden Reich in Altwies bei Moosbach, beteiligt sich unter anderem am „Tag der offenen Gartentür“ und präsentierte lange ihre prächtige Anlage auch bei touristischen Gartenreisen.
Seit 47 Jahren lebt die stets flott gekleidete 66-Jährige nun in ihrem Haus in Altwies, erzählt sie und rückt ihre Sonnenbrille zurecht. Von weither kam sie nicht, das Elternhaus steht in Moosbach. Grinsend erinnert sie sich zurück: Damals sei das Grundstück, von dem ihr Ehemann abstammt, noch nicht so groß gewesen. Ihre Gartlerleidenschaft entfacht war trotzdem schon. Als der Platz knapp wurde, beschenkte ihr Mann Hans sie mit dem wohl bedeutendsten Weihnachtsgeschenk ihres Lebens. „Ich hab die Wiese nebenan für dich gekauft“, habe er gesagt, „aber nicht für noch mehr Blumenbeete!“ Diese ironische Abmachung sei für sie von vornherein hinfällig gewesen, wie sie lachend zurückdenkt. Auf dem nun 5800 Quadratmeter großen Grundstück entstanden über die Jahre zahlreiche prachtvolle Blütenareale in rund zehn großen Beeten. In ständigem Wechsel, denn Stillstand gibt´s nicht in „Ingrid´s Garden“. Das Schild mit der Aufschrift ziert die hölzerne, an der Garage angrenzende Pergola, bei der die Gartenführung beginnt.
Pflanzenwissen selbst erlernt
Zunächst stapft Ingrid den leicht abschüssigen Rasen neben dem Haus empor, zur von verschiedensten Blumenarten umringten Teichanlage mit Bachlauf, darunter auch Taglilien. Sie finden sich in allen nur erdenklichen Farben überall im weitläufigen Garten. In blassem Lila und dunklem Violett, in Burgunderrot oder dem weit verbreiteten Orangeton. Die Besonderheit an dieser Pflanzenart – der die Blume auch ihren Namen verdankt: Jeden Tag erblüht nur eine der Blüten zur vollen Pracht und wird schon am nächsten Tag von einer anderen abgelöst, wie sie erklärt. Die Gartenliebhaberin schätzt nicht nur die Ruhe und den Ort des Rückzugs, die die idyllische Atmosphäre im Garten und die Pflanzarbeit ihr geben. Sie ist ebenso Pflanzenexpertin und hat allerhand Informationen zu sämtlichen Gewächsen parat. „Alles selbst erlernt!“, nickt sie wissend mit dem Kopf.
Früher war die Gartenplanung ihr größtes Hobby und Ausgleich zur Arbeit als Krankenschwester, seit dem Ruhestand ist sie einer ihrer größten Lebensinhalte. Und natürlich das vierjährige Enkerl, das regelmäßig zu Besuch kommt und auch selbst ein Beet angelegt hat. „Da wachsen auch Gemüse und Beeren, das gibt´s sonst fast gar nicht bei mir“, lacht die Oma. „Wenn er vom Kindergarten kommt, wird erst mal das Beet geplündert und alles verspeist, was er findet.“
Früher Alleingang, jetzt Teamwork
Rund um´s Haus herum geht´s weiter, unter Rosenbögen hindurch und an rustikal anmutenden, gemauerten Elementen vorbei, bewachsen mit Hauswurzen und Trockengewächsen aller Art. „Die hab ich fei alle selbst gemauert, alleine!“, betont Ingrid mit stolzem Grinsen. „Mittlerweile brauche ich jetzt etwas Hilfe, Knieoperation Anfang des Jahres und das Alter lässt einfach nicht aus…“ Zum Glück habe sie ihren Mann nun endlich „infizieren“ können, „aber früher hätte ich Hilfe und andere Meinungen sowieso nicht toleriert, der Garten war mein eigenes Reich!“ Seit einigen Jahren herrscht „Teamwork“: Er übernimmt die Grobgestaltung mit Bagger und Bulldog („Vor nicht allzu langer Zeit hab ich alles noch alleine mit Schubkarren und Schaufel gemacht!“). Sie bestimmt, welche Blumensorten und Pflanzenarten wo hinkommen, wo neue Beete entstehen und plant, und plant um und plant wieder um… „Viele gescheiterte Versuche gehören einfach dazu!“ Das Beet, vor dem sie nun steht – eine Symphonie aus Lavendel, Rosen und Taglilien – habe viele Jahre lang gebraucht, um schlussendlich in dieser Form das Gartenareal zu zieren. Gründe, die Ingrids Erfahrung nach ausschlaggebend dafür waren und ihrer Meinung nach generell für Gartengestaltung maßgeblich sind: die Bodenbeschaffenheit – und tierische Mitbewohner.
„Das muss einem bewusst sein: Wie ist mein Boden? So wird mein Garten.“ Im Falle vom blühenden Paradies in Altwies sehr nass und fast sumpfig. „Viele bewundern deshalb meine wundervollen Iris ensata (Japanische Sumpfschwertlilien), die wachsen bei uns nur schwerlich im Garten, sie brauchen sehr viel Wasser.“ Liebhaber der Pflanzen sind auch viele vierbeinige Bewohner von Altwies, die aus angrenzenden Wäldern und Wiesen oft den Weg in den Garten finden oder gleich ihren Wohnsitz verlagern. „Die Rehe erhalten anscheinend ein Rundschreiben: Neue Ware eingetroffen. Kommt der Rehbock, schaut in die Kamera, geht zum Fressen“, erzählt Ingrid halb amüsiert, halb missmutig. „Auch als Betten nehmen sie meine Blumen.“ Die Folge: abgebrochene Zweige, viele eingegangene Blumen. Und dazu kommen Wühlmäuse, Maulwürfe, und, und, und. Doch Ingrid Hackl findet stets eine Lösung, in der Natur, Tierwelt und Gartengestaltung vereinbar sind.
Winterzeit ist Planungszeit
Lächelnd steht sie da und blickt in Richtung Haus, wo verschiedenste Rosenarten meterhoch die Fassade zieren. Russeliana, Jasmina, Constance Spry, und viele mehr. Einige blühen öfter, andere nur einmal, einige darf man zurückschneiden, andere nicht, da sonst die Blüten für´s nächste Jahr zerstört würden. Kenntnisse sind sehr viele erforderlich, um planen zu können. Gemacht wird das im Winter, denn von 1. November bis Februar ist Ruhezeit im Garten. Dann zeichnet Ingrid mit Stift und Papier Skizzen und Strukturen ihrer Ideen, „das Anpflanzen ist nur die halbe Arbeit.“ Außerdem hat sie dann Zeit für ihr zweites Hobby, das Nähen. All ihre Kleider produziert sie selbst. Die Ähnlichkeit zur Gartenarbeit: „Ich hab mir beides selber beigebracht, kann viel ausprobieren und bin dann glücklich, wenn was funktioniert!“
„Jetzt zeig ich die aber meine ´Babies´!“, sagt sie lachend und zeigt auf einige große Kübel in denen Pflanzen darauf warten, ihr neues Heim im Garten zu beziehen. Das nächste Beet-Projekt: eine Kombination aus Phlox, verschiedenen Wolfsmilcharten und offener Rose. „Das ist schon eine Sucht, wenns´t was siehst, muss du´s einfach haben!“ Auf die Frage, ob sie denn alle Pflanzen auch gießt, antwortet sie mit einem fast erschrockenen „Nein!“ und lacht. „Ich pflanze ein, gieße an und dann wünsche ich ein schönes Leben!“ Anders gehe das nicht. Alleine zum Unkraut-Jäten in einem der großen Beete in der Gartenmitte brauche sie eine ganze Woche. „So genau nehme ich es deshalb nicht.“ Nur bei Veranstaltungen, wie dem „Tag der offenen Gartentür“, „da blitzt es überall nur noch so!“, sagt Ingrid schmunzelnd und lässt ihren Blick über das bunte Blütenmeer schweifen, das vom Zirpen der Grillen in der benachbarten Wiese und dem Zwitschern der Vögel im angrenzenden Wald mehr als idyllisch eingerahmt da liegt.
Fotos: Lisa Brem
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zu Verfügung gestellt.
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