Über Schlammrennen, Reparaturen auf der Rennstrecke und „Wahnsinns-Zusammenhalt“
Zu Besuch in der Werkstatt: Der Franze, der Tom, der Leya und der Axe starten regelmäßig gemeinsam als Team bei Mofa-Rennen
Ramersdorf/Kollnburg/Prackenbach. „Für 225 Euro hama des Gefährt damals heim, von unsrem Taschengeld, jeder hat 75 hingeblättert!“, erinnern sich die Kumpels grinsend, stilecht in Arbeitsklamotten, versteht sich. Damals, das war vor 20 Jahren, 2005. Und „das Gefährt“ ist eine KTM Bora 25, Baujahr 1981 – wie mit Taschenlampe und nach einigen Minuten Suche am Rahmen festgestellt werden kann. Franz Koch (33), der Franze, und Thomas Schötz (33), der Tom, gehen damals miteinander in die sechste Klasse in der Prackenbacher Schule und schrauben seit jeher gerne rum. Immer mit dabei: Tom´s Onkel Christian Axmann (57). Von dem Mechaniker, genannt Axe, lernt die nächste Generation so manche Kniffs und Tricks. Das Gespann vervollständigt seit 2019 Michael Fleischmann (32), der Leya (nach seinem Wohnort Lehen bei Prackenbach). Gemeinsam tritt das Team bei sogenannten Mofa-Rennen an, möglichst viele Runden auf einer Rennstrecke in einer festgelegten Zeit gilt es, zu schaffen. Beim Besuch in der Werkstatt in Ramersdorf bei Kollnburg wird getüftelt, gefachsimpelt und über alte Erinnerungen gelacht.
„Der Axe hat angeboten, uns beim Herrichten und Frisieren zu helfen“, denkt Tom, der in Prackenbach wohnt, zurück. Die Originalteile werden aufgehoben, nach dem Rennen soll das Moped schließlich wieder für einen passablen Preis verkauft werden. „Der Plan ist ned aufgegangen!“, grinst der noch 57-jährige Axe, ebenfalls aus Prackenbach, und zuckt mit den Schultern. Seitdem ist die KTM jedes Jahr im Einsatz, wird jährlich bei ungefähr drei Rennen auf´s Höchste strapaziert und danach wieder zusammengeflickt.
Mehrere Pokale für das jüngste Team
Auf der Motocross-Strecke am Thannhof ist das Dreier-Team seit 2005 bei jedem Mofa-Rennen dabei, räumt zu Beginn einige Male für das Alter von zwölf, 13, 14 Jahren den Pokal für das jüngste Team ab, schafft es 2017 sogar auf den ersten Platz. Zu Beginn fährt als dritter Fahrer jahrelang Mirco Geiger aus Moosbach mit, nach weiteren Freunden kommt Michael Fleischmann 2019 dazu. Christian Axmann ist von Stunde eins an dabei in der Rolle des Mechanikers, Mentors – und Maskottchens, auch wenn er das nicht so gerne hört, wie er augenrollend anmerkt.
„Der Franze ist das Gehirn des Teams!“, sind sich alle einig, geschraubt wird in der Werkstatt neben seiner Wohnung im Anwesen der Schwiegereltern in Ramersdorfer Alleinlage inmitten von Wald und Wiesen. Auch die anderen Teams blieben nicht stehen, früher sei 100 Runden eine Weltsensation gewesen, heute sei man damit bei den Schlechteren dabei, wie der Franze erklärt. „Er tüftelt sich richtig rein und schaut immer, was er noch verbessern kann!“, sagen seine Kumpels. Das bestätigt auch seine ihm kürzlich Angetraute, Tanja Preuß-Koch, schmunzelnd: „Wenn ein Rennen näherkommt, seh ich ihn fast gar nimmer!“ Denn: „Auf den letzten Drücker“, das ist schon immer die bevorzugte Vorgehensweise des Teams, geben sie amüsiert zu. Von Zylindern, die wegen eines „Kolbenfressers“ erst einen Tag vorm Rennen mit der Post ankommen, bis hin zum Start mit einem Ersatzmotor, weil bei den letzten Reparaturarbeiten nach der Spätschicht in der Nacht zuvor noch ein Missgeschick passiert – „alles hama schon gehabt!“
Nächster Start: 30. August beim Mofa-Rennen am Thannhof
Der Tom ist zuständig für gröbere Arbeiten, an Reifen und Vergaser. Der Leya schweißt meist und übernimmt die Fräsarbeiten. Gerichtet werden muss in der Regel einiges nach einem Rennen. Am Samstag, 30. August, steht das nächste an: auf der Motocross-Strecke am Thannhof bei Prackenbach. Das ist auch das anspruchsvollste, bei dem das Team regelmäßig antritt. Die anderen Rennstrecken ziehen sich über Wiesen oder Stoppelfelder, finden normalerweise nicht auf professionellen Strecken statt. Das Ziel des Teams ist wie jedes Mal ein Platz auf dem Treppchen, wenn nicht sogar der Siegertitel. Der Hauptsponsor sind wie schon lange die „Käferfreunde Bayerwald“, bei denen der Axe aktives Vereinsmitglied ist und die das Team mit Finanzspritzen unterstützen. „Das Gstell passt schon so weit, der Motor nicht“, ist die Antwort auf die Frage nach dem Reparaturstand, von Lachern begleitet – das Herzstück liegt nämlich noch in Einzelteilen herum, neben einem Regal mit … „lauter kaputtem Klump!“ Sämtliche alte, aussortierte Teile werden „zur Gaudi“ als Erinnerungen aufgehoben, unterhalb der vielen Pokale, die das Mofa-Team schon gewonnen hat.
Diverse Motorschäden, wenige Personenschäden
Sie erinnern sich an diverse Motorschäden, die teilweise mitten auf der Strecke im Schlamm bewältigt werden – vergleichen ihre Vorgehensweise schmunzelnd mit einer „Operation am offenen Herzen im Dreck“. Personenschäden gibt es über die ganzen Jahre vergleichsweise wenige, der schlimmste ist ein Schlüsselbeinbruch, den sich der Leya bei einem Sturz zuzieht.
Für viel Gelächter sorgt eine gemeinsame Erinnerung, die eine kaputte Felge anstößt: Bei einem Rennen in Adlkofen reißt während der Probedurchläufe vor einigen Jahren eine Radfelge. Kurzerhand macht eines der gegnerischen Teams aus der Umgebung sie mit einem Landwirt bekannt, der exakt das gleiche Moped-Modell daheim im Stall stehen hat. Franze: „Da sama gemeinsam hin, Rad runtergeschraubt, wieder zurück, dran – und los is gegangen!“ Dann halt dieses Mal ohne Probeläufe.
Genau diesen „Wahnsinns-Zusammenhalt“ hebt das Team hervor, deshalb mache die ganze Sache so viel Spaß. Sei es im Dorf oder unter Konkurrenten bei einem Rennen: Außerhalb der Rennstrecke sind alle Gleichgesinnte, Freunde und helfen einander aus, wo sie nur können.
Die nächsten Rennen, bei denen das Mofa-Team an den Start geht, sind am 30. August am Thannhof in Prackenbach, am 4. Oktober in Schwarzach und am 13. und 14. September in Ottenschlag in Österreich – „da werd ma international!“
Fotos: Lisa Brem
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: Franz Koch, der Franze, zeigt das Regal voller „altem Klump“, der Ausschussware der vergangenen Rennen. Oben auf: die Pokale, die das Team schon gewonnen hat.








