„Mordslustig“ war´s - Urkomische Ermittlungen beim bayerischen Krimidinner in Prackenbach
Prackenbach. Gewitzte Schlagabtäusche und kriminalistisch anspruchsvolle Theorien, urbayerischer Humor inmitten der typischen Verköstigung und jede Menge Impro-Theater: Zu lachen hatten die Zuschauer alias Ermittler beim Krimidinner im Prackenbacher SV-Heim am vergangenen Freitagabend einiges. Gemeinsam sollten sie bis zur Ankunft des diensthabenden Kommissars aus „Niederkalten-irgendwas“, so Organisator Thomas Pfeffer in seiner Rolle als Platzwart Dieter Krause, die er selbst hartnäckig viel lieber aufgewertet als „Head of grass and mushrooms“ – wegen seiner häufigen Tätigkeit in Matschräumen – bezeichnet sehen wollte. Über vier Stunden lang wurde gemeinsam gerätselt, geschmunzelt und geschlemmt.
Auch die zweite Aufführung des ersten bayerischen Krimidinners in Prackenbach mit dem Titel „Schlimme Sach! Mord im Vereinsheim“ des Dorfvereins Hagengrub war wieder ausgebucht. Gemäß dem Motto „Fressn, saffa, ermitteln – geile Stimmung und a Mordsgaudi!“ verbrachten rund 50 Besucher einen ereignisreichen und unterhaltsamen Abend im fiktiven Szenario eines Ehemaligen-Treffens des örtlichen Sportvereins, das jedoch mit nur acht Anwesenden bei Weitem nicht so gut besucht war, wie erwartet. Dafür aber den Kreis der Verdächtigen glücklicherweise schmälerte. Denn das jähe Ende gipfelte in einem tödlichen Zwischenfall: Der, wie sich schon bald herauskristallisierte, bei fast allen unbeliebte frühere Trainer, nun sportlicher Leiter und Hauptsponsor Gerd Müller wurde mit einem Büro-Locher erschlagen tot im Schiri-Kammerl aufgefunden.
„Etz ham mia festgstellt, dass der do liegt, doud“, leitete der als eine Art Moderator fungierende Platzwart in altem Hausmeisterkittel und tiefstem Waidlerisch die Ermittlungen ein, während als Vorspeise Baguette mit Obatztem und Kräuterquark serviert wurde. „Na subba, hob i mir denkt, so a Sauerei, und moang is a Spiel…“ Darum habe er sich ein Herz gefasst und lagere – zur etwas gedämpften Belustigung des Publikums, das als Nachspeise Eis erwartete – die Leiche nach Beseitigung sämtlicher Spuren am Tatort vorerst in der Gefriertruhe im Keller.
An jedem Tisch war einer der sieben Tatverdächtigen platziert und wurde von seinen Mitwissern beim eigenständigen Ermitteln unterstützt. In zuvor ausgeteilten Akten und Top-Secret-Umschlägen, die nach und nach geheime Hintergrundinformationen zum jeweiligen Tisch-Schauspieler preisgaben, konnten sich die Ermittelnden in das Tatgeschehen und grobe Beziehungskonstellationen einlesen.
In einer Vorstellungsrunde legten sich die Schauspieler ins Zeug, schilderten ihre Situation wie auch die Beziehung zum Mordopfer und verkörperten dabei die Eigenheiten ihrer Rolle mit solch humoristisch-unterhaltsamer Perfektion, dass sie das Publikum zum Schmunzeln, Lachen und Kopfschütteln brachten. Diese waren: Der geschiedene, schusselige, vom Treffen und der damit für ihn verbundenen Arbeit genervte Platzwart mit Alkoholproblem, Dieter Krause (Thomas Pfeffer), genannt Dieterle, den das Mordopfer wegen einiger Zwischenfälle (Rasenmäherbulldog gegen Auto und Explosion in Scheune zwecks versuchter Rattenplagenbeseitigung) in jüngster Zeit loswerden hatte wollen. Die ebenfalls geschiedene, alleinerziehende Mutter Christl Huber (Manuela Sterr), die früher in Gerd Müller verliebt gewesen war und seit Kurzem arbeitslos ist. Mit dem Verkauf von Vitaminpräparaten wollte sie zum großen Geld kommen, stattdessen hat sie nun einen Berg Schulden wegen der benötigten Erstanschaffung. Deren in enormem Maße von sich selbst als bester Fußballspieler überzeugter Sohn Giovanni (Korbinian van Beek), der erzwungener Weise beim Treffen war, da ihn seine Mutter aufgrund Hacker-Aktivitäten und Bewährungsstrafe nicht aus den Augen lassen kann und der aus Langeweile mit einem gestohlenen Schlüssel so manchen Unfug im Vereinsheim angestellt hat.
Die perfekt gestylte Melissa Falkenstein (Tracy Robel) als früher schönstes und beliebtestes Mädchen des Vereins, das sie auch heute noch zu gerne ist, mittlerweile Hairstylistin mit eigenem Salon in München. Die frühere Kassierin, vor allem vom Mordopfer gemobbte und deshalb immer noch nachtragende Gabi Lieblich (Carolin Sennebogen), die in der Zwischenzeit erfolgreiche Unternehmerin mit eigener Firma im Pharmabereich geworden ist. Das Ehepaar Fischer (Kerstin und Andreas Holzapfel): Er, Martin, unsicheres Muttersöhnchen aus wohlhabendem Elternhaus, aber zeitgleich gnadenloser und erfolgreicher Investor. Sie, Nicole, Ex-Freundin des Ermordeten, zurückhaltend scheinende Mutter und Hausfrau mit keinerlei Mitspracherecht gegenüber der Schwiegermutter, die eigentlich aber nach Unabhängigkeit strebt und seit Längerem eine Affäre mit Gerd Müller hatte.
Den ganzen Abend über wechselten sich tischinterne Beratungsrunden ab mit Genussrunden von Rinder-Nudelsuppe, Schweinebraten mit Krautsalat und Kräuterquark, einer Runde Schnaps und Schoko-Kirschkuchen mit Vanilleeis. Dazwischen agierten die Tatverdächtigen, stellten mit ihren Tisch-Unterstützern erarbeitete Fragen, verplapperten sich oder deckten nach und nach komplexe Verstrickungen auf. So amüsierte sich das Publikum zum Beispiel köstlich über spontane, improvisierte Schlagabtäusche zwischen Nachwuchs-Starkicker und -Betrüger Giovanni und dem etwas rückständig erscheinenden Platzwart Dieterle aufgrund Schmierereien mit „ACAB“ an sämtlichen Türen des Vereinsheims: „Des verstehst doch du eh ned“, gab der Jugendliche in genervt-lässiger Art aufgrund der Unkenntnis der englischen Sprache Dieterles zurück, als dieser ihn erbost und aufgebracht aufforderte, ihm endlich zu sagen, was das überhaupt bedeute. Dieterle kam mit seiner Vermutung „Alt-Christliche-alternative-Bartei“ nicht sehr nahe, doch traf damit eines von vielen Malen den Lachnerv der Zuschauer.
Auch die Jubelschreie der Tisch-Komplizen, jedes Mal, wenn Martin Fischer seine über alle Maßen geliebte Mutter erwähnte und, als bei der Aufforderung, die Taschen zu leeren, dann auch noch ein Foto derselben zum Vorschein kam, sorgte für ausgelassenes Gelächter. Immer wieder ergaben sich weitere Hinweise, die den Verdacht auf jeden einzelnen erhärteten. Der sarkastisch-selbstgefällige und doch spitzbübisch-sympathische Giovanni Huber hatte beim Sportwettbetrug Millionen gemacht, auf Kosten des Mordopfers. Seine davon nichts ahnende Mutter Christl war beim Diebstahl eines teuren Tiffany´s-Rings erwischt worden, den sie aber nicht herausrücken und stattdessen zu Geld machen wollte. Das hatte die überhebliche Melissa Falkenstein mit einer viele Jahre zurückliegenden Gegebenheit erpresst, als aufgrund eines Streichs im Alkohol-Stadium ein erschreckter Junge die Tribüne hinabgefallen war und zu Tode kam. Gabi Lieblich gestand nach dem Fund eines Fläschchens im Mülleimer einen gescheiterten Mordversuch mit dem von ihr entwickelten stärksten Gift der Welt – lässiger Kommentar vom Platzwart: „Ahh, bei uns im Woid haut des Zeig neamd um! Do brauchts scho mehr!“ Dieser hatte sich in einem Liebesbrief über den sportlichen Leiter beschwert und angemerkt, ihn aus dem Weg zu räumen.
Die Wendung in den Ermittlungen brachte das Aufdecken der langjährigen Affaire zwischen dem Ermordeten und der unzufriedenen Investor-Gattin Nicole Fischer, für die auch der Verlobungsring gedacht war. Bei der abschließenden Abstimmung entfielen die weit überwiegenden Verdächtigungen auf den zugleich unsicher und skrupellos wirkenden Martin Fischer, der zuvor zugegeben hatte, seiner Frau beim Überprüfen des Handys auf die Schliche gekommen zu sein. Schon in Schulzeiten sei er eifersüchtig auf das Mordopfer gewesen, aufgrund der Beziehung zur von ihm Angebeteten. Als er dann von der erneuten Affaire gelesen habe, sei klar gewesen, dass er den Konkurrenten aus dem Weg räumen müsse, vor allem, um den Namen der Familie und den seiner Mutter nicht zu verunreinigen, wie er missmutig gestand.
Nach kräftigem Applaus für die schauspielerischen Leistungen und den spannend-amüsanten Abend bedankte sich Thomas Pfeffer, diesmal wieder in Organisatoren-Rolle, bei allen Mitwirkenden und hob auch die enormen Leistungen bei der Verköstigung der Gäste von Michaela Quappik, Annette Pfeffer und Frank Saller mit ihrem „Küchen-Dreamteam“ hervor. An die Texte gehalten hätte sich kaum jemand, erklärte er, selbst belustigt. Die Veranstaltung habe einem reinen Impro-Theater geglichen, offensichtlich mit Erfolg. Sämtlichen Gewinn und weitere Spenden werde man komplett weitergeben an den Tiergnadenhof in Zell.
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem erstellt und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: „Mordslustig“ war´s - Urkomische Ermittlungen beim bayerischen Krimidinner in Prackenbach








