„Kleine Gesten und einfach nur zuhören“
Veranstaltung „Herzzeit – Wenn Trauer Worte findet“ im Prackenbacher Bürgerhaus
Prackenbach. „Das Schlimmste ist es, nichts zu tun!“ Der Satz schwebt im Raum. Nachdenkliche Gesichtsausdrücke prägen die Stimmung im Publikum. „Schon kleinste Gesten“ – wie ein Eimerl voller Kirschen als Zeichen der Aufmerksamkeit – „genügen, um Trauernden zu helfen!“ Das Bürgerhaus in Prackenbach ist gefüllt mit Menschen, die sich bewusst mit dem Thema Trauer auseinandersetzen wollen, jemanden oder etwas verloren haben oder jemandem in leidvollen Zeiten beistehen wollen. Am Dienstagabend haben Lisa Högerl und Lydia Schmidberger, alias „frisch & faltig“, gemeinsam mit Trauerbegleiterin Barbara Guggenberger aus Bad Kötzting eingeladen zu einem Abend voller berührender Geschichten und ehrlicher Gespräche rund um Trauerbewältigung und den Umgang mit Trauernden. Mit dabei waren außerdem wieder Musiker von „s´Herzwerk“, Basti Hagengruber und Verena Dachs, die mit ergreifendem Gesang und Sound den passenden musikalischen Rahmen gestalteten.
„Herzzeit – Wenn Trauer Worte findet“, war der Titel der ausverkauften Veranstaltung der beiden Podcasterinnen, die in ihren Beiträgen verschiedene Lebensbereiche ehrlich, schonungslos und stets mit einer gewissen Prise Humor beleuchten. Mit Barbara Guggenberger haben sie neben einer Fachfrau gleichzeitig eine selbst Betroffene und von mehreren Schicksalsschlägen geprägte Interviewpartnerin für den Abend gewonnen. Die Trauerbegleiterin erzählte emotional und schwermütig vom Tod zweier ihrer drei Söhne durch plötzlichen Kindstod und Motorradunfall, von kummervollen Zeiten, herben Enttäuschungen wie auch unerwartet positiven Überraschungen vom Verhalten Bekannter und Freunde.
Bereits zu Beginn äußerten Lisa und Lydia eine treffende Behauptung: „Trauer ist mehr als Tränen!“ Trauer entstehe in Bezug auf Menschen und aus Dingen, die wichtig für einen seien. „Trauer ist Liebe, die ihren Platz neu finden muss“, regten die beiden Veranstalterinnen zum Nachdenken an, ein Leben ohne Trauer bedeute ein Leben ohne Liebe. Gemeinsam mit ihrem Gast arbeiteten sie in Frageform verschiedene Themen rund um Trauer auf. So ging es etwa um „Weinen vor Glück und Traurigkeit, ist das möglich?“ Auf jeden Fall, so die Erfahrung der Fachfrau aus ihrem eigenen Leben. Denke man an verlorene Menschen erinnere man sich gleichzeitig an die schönen Dinge, die man gemeinsam erleben durfte.
Den ersten Abschnitt des Abends gestaltete Lisa Högerl, indem sie gemeinsam mit Barbara Guggenberger unter anderem auch die Berechtigung von Traurigkeit über den Verlust von Lebensentwürfen wie beim Eintritt in den Ruhestand beleuchtete. Dies bestätigte später auch Lydia Schmidberger: Beim Verlust des Berufes könne man auch ein Stück weit seine Identität verlieren. Ein wertvoller Tipp sei dabei: Sich seiner Fähigkeiten und Leidenschaften bewusst werden und bereits im Vorfeld Pläne schmieden, wie sich das Leben danach gestalten soll.
Einen weiteren Schwerpunkt formulierte Guggenberger mit dem Satz: „Man stirbt nicht früher, wenn man darüber spricht!“ Tod wie auch Trauer gehörten zum Leben aller und sollten thematisiert werden. In ehrlichen und berührenden Rückblicken auf die schwersten Zeiten ihres Lebens erzählte sie von der wichtigsten Sache, die ihr den Weg zurück zum normalen Leben erleichtert habe: Freundschaften. Kleine Gesten, die noch so unbedeutend wirken könnten, seien für eine trauernde Person oft ein Rettungsanker. Unverbindliche Angebote wie einkaufen, Umarmungen oder einfach nur zuhören.
Nach einer Pause verliehen die beiden Musiker den ehrlichen Worten und tiefen Gefühlen Ausdruck in einer anrührenden Interpretation des „Ewigen Lieds“ von Haindling und verwandelten die emotionsgeladene Atmosphäre in Klang und Melodie mit einem Text, der die Botschaft des Abends widerspiegelte: „Und koana woas, wos eam no alles bliad – ja so klingt´s auf dera Welt, des ewige Liad!“
Dann übernahm Lydia Schmidberger und erinnerte sich tief berührt an ihre Jugend und den plötzlichen Verlust ihres damaligen Freundes durch einen Unfall zurück. Was ihr an die Zeit danach in Erinnerung geblieben sei: Ein Eimerl Kirschen, das ihr die Nachbarin vorbei brachte mit den Worten „Mei Derndl, du musst ja wieder wos essen!“ Genau auf solche Dinge komme es an, bestätigte auch Barbara Guggenberger. Eine weitere bewegende Erinnerung teilte Lydia mit dem Publikum: Sie habe nach Aufforderung der Hausärztin die letzten Stunden am Bett ihres Vaters verbracht und seine Hand gehalten, als er starb. „Fast euphorisches Glück“ empfinde sie, wenn sie daran denke, ihn begleitet zu haben.
Ebenfalls thematisiert wurde die immer weniger werdende Tradition der Beileidsbekundungen bei Beerdigungen. Die Anteilnahme könne den Hinterbliebenen durchaus Kraft schenken, ebenso wie der anschließende „Leichenschmaus“. Wenn nur tief betroffene Familienmitglieder des engsten Kreises zusammen kämen, sei dies oft nicht das Beste, so die Trauerbegleiterin.
Nach einem ergreifend die Kernaussage des Abends präsentierenden Stück – „Lean on me – loan di o“ in bayerischer Version – fasste Barbara Guggenberger diese nochmals in Worte: Einfach da sein und zuhören.
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem erstellt und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: „Kleine Gesten und einfach nur zuhören“








