Ein echtes Naturmädel: Kräuterpädagogin Anna Weber im „Kräuterreich Froschmühle“
Im „Kräuterreich Froschmühle“ gibt Kräuterpädagogin Anna Weber ihr Wissen weiter – Ruhe und Abenteuer sucht sie bei Campingreisen durch die Einsamkeit Nordschwedens
Prackenbach/Froschmühle. „Ich sag immer liebevoll: Das ist mein Loch da herunten – und genau perfekt für mich.“ Die junge Frau in khakifarbener Outdoorhose und Softshelljacke lacht und zuckt fröhlich mit den Schultern. Aus Prackenbach-City in die Abgeschiedenheit des „Kräuterreiches Froschmühle“, wie Anna Weber seit heuer ihr Zuhause inmitten ursprünglicher Natur, umgeben von hohen Bäumen und nahe gelegen des Höllensteinsees nennt. Gemeinsam mit ihrem Mann Manuel hat sie sich auf dem schwiegerelterlichen Besitz ein, wie sie es bezeichnet, Traumparadies aufgebaut – mit großem Kräutergarten, mehreren Tieren und Sauna versteckt hinterm Haus. Die Natur ist für die 26-Jährige unentbehrlich. Als Kräuterpädagogin gibt sie ihr umfangreiches Wissen bei Kursen und Wanderungen weiter, mehrmals im Jahr reist das Paar ins nördliche Schweden – mit dem selbst umgebauten Van – und verbringt dort die Urlaubszeit fernab von Schnelllebigkeit und Tourismus. Mit Kräutersammeln, Angeln und langen Abenden am Lagerfeuer. Anna erzählt von ihrem Lebensweg, vom Streben nach Entschleunigung, von Abenteuerlust und großer Naturverbundenheit.
„Meistens nehm ich keinen Korb mit, wenn ich nur mit dem Hund spazieren geh. Und dann renn ich vollbepackt mit Kräutern rum und denk, mir: Oh man, aber das nächste Mal!“ Anna, die in ihrem Outdooroutfit fast wie eine Rangerin aussieht, lacht und bückt sich nach unten. Theo, der kleine Dackel, winselt und wedelt heftig mit dem Schwanz, als sein Frauchen die Leine einhakt. Übermütig läuft er voran, muss bald schon den ersten Stopp einlegen: Brennnesseln in Hülle und Fülle. „Ein echtes Superfood, und das wächst einfach überall bei uns!“ Anna streicht sich ihre dunkelblonden Naturwellen zurück, steigt mit den Wanderschuhen mitten ins Gestrüpp und fährt mit der Hand suchend über die oft als Schmerzen verursachend verrufenen Pflanzen. Sie grinst. „Die muss man nur richtig anfassen, immer von unten nach oben, ohne Zögern, dann haken sich die Brennhaare nicht ein.“ Sie wird fündig und erklärt den Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Pflanze: An den büschelweise hängenden, blütenähnlichen Samen erkenne man die weibliche. „Getrocknet kann man diese Samen zum Beispiel übers Müsli streuen, die liefern sehr viele wichtige Nährstoffe und Vitamine, wie A, B, C, K, E, Kalium, Magnesium und Calcium, haben 30 Prozent Fett und 30 Prozent Protein!“ Außerdem sorgen pürierte Brennnesseln zum Beispiel beim Backen für natürliche grüne Farbe, ohne Auswirkungen auf den Geschmack zu haben, weiß sie.
Mit der Oma lateinische Pflanzennamen gelernt
Die Liebe zur Botanik entdeckt Anna bereits in ihrer Kindheit. „Mei, war ich oft mit der Oma im Garten und wir haben die lateinischen Namen der Pflanzen gelernt“, erinnert sie sich lächelnd. Bei der Berufswahl achtet sie vor allem darauf, dass sie der Liebe wegen in der Heimat bleiben kann. Sie absolviert die Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin an der Berufsschule in Passau, arbeitet dann in einer Apotheke in Bad Kötzting. „Ich hab eigentlich erst im Nachhinein realisiert, dass die Arbeit ganz gut zu mir passt, Inhaltsstoffe lernen, Salben, Tinkturen herstellen. Der naturheilkundliche Ansatz hat mich auch schon immer interessiert.“
Im vergangenen Jahr wechselt sie in eine Apotheke nach Straubing und nutzt die Zeit zwischen den beiden Arbeitsstellen, um einen Kurs zur Kräuterpädagogin abzuschließen. Dabei sei es für sie hauptsächlich um Rechtliches und Organisatorisches gegangen. „Mir braucht jetzt niemand erklären, wie Gänsefingerkraut aussieht, wie man wilden Thymian oder Schafgarbe erkennt, das weiß ich ja alles“, sagt Anna und ihr unbeschwertes Grinsen spiegelt sich in den braunen Augen hinter den Brillengläsern wider.
Unter anderem hat sie heuer schon Kräuterwanderungen zu den Themen „Wild und beschwipst“ mit anschließender Verarbeitung zu Likör oder „Frauenheilkräuter“ angeboten. Im Herbst soll eine Veranstaltung folgen, bei der es vor allem um Wurzeln und deren Verarbeitung geht. „Je nachdem eben, was die Natur gerade hergibt.“ Die Leidenschaft, mit der sie ihr Wissen weitergibt, schwingt in jedem ihrer Worte mit.
Auch Kurse zu Naturkosmetik geplant
Derzeit bildet sie sich im Bereich Aromatherapie weiter, „außerdem möchte ich auch in die Herstellung von Naturkosmetik einsteigen.“ Für den Eigengebrauch sei sie darin schon aktiv, erklärt Anna und zeigt nach der Rückkehr zur Froschmühle stolz den im Sommer stillgelegten Holzofen in ihrer Küche: Ein wahres Sammelsurium an Tinkturen, Ölauszügen, Salben und verschiedensten Kräuterverarbeitungen hat sich über den Sommer darauf angehäuft. „Eine richtige Kräuterhexe halt!“
Was sie in ihrer restlichen Freizeit macht? „Seifen sieden, Kaasen, Nähen…“ – ein Faible für Nachhaltigkeit und Selbstversorgung. „Mein Hochzeitsdirndl hab ich zum Beispiel selbst genäht“, berichtet sie stolz und zeigt das mehrteilige Arrangement passend zum Laiberl ihres Bräutigams, beides unter anderem aus Stoffen der Hochzeitskleidung ihrer Eltern angefertigt.
Ihr Ehemann Manuel Weber teilt viele ihrer Passionen, wie die Liebe zur Natur und Tieren. Anna macht sich auf den Weg zur kleinen Ranch auf der anderen Straßenseite, vorbei am kleinen Schweinestall, am Freilauf verschiedener Hühnerrassen, die Anna teilweise selbst aufgezogen hat.
Das Ziel sind die fünf Neuzugänge: Die Waliser Schwarznasenschafe heben neugierig ihre Köpfe und blicken Anna entgegen, die sich mit ausgestreckter Hand langsam nähert. „Komm her, Wilma! “, sagt sie lockend und krault die Schafdame hinter den Hörnern. „Die sind schon ganz zutraulich, meine kleinen Lieblinge!“ Die Herde soll in den kommenden Jahren anwachsen, die Zucht ist geplant. Dafür wollen Anna und Manuel auch die zugehörigen Wiesen wieder selbst bewirtschaften.
Mehrmals im Jahr „Natur pur“ erleben in Nordschweden
Auf dem Rückweg zum Haus wird Halt gemacht beim großen Schuppen, der neben dem Traktor auch als Garage für den Van dient. 2023 verbringt das Paar zum ersten Mal den Urlaub in Schweden, entwickelt daraufhin eine Begeisterung für längere Camping-Trips in das nördlich gelegene Land. Anna öffnet die Schiebetür, holt tief Luft und legt den Kopf schief. An ihrem glücklichen Gesichtsausdruck sind ihr die Erinnerungen abzulesen, die sich in ihrem Kopf abspulen.
„Da is es schön, da is nix los, Natur pur – und ganz viele Heilpflanzen“, so die erste Beschreibung mit gedankenverlorenem Lächeln. Mittlerweile nehme sie viele leere Gläser mit hinauf und dann gefüllt wieder mit nach Hause. Das Lieblingsgewächs: Hjortron, die Moltebeere. „Das ´Gold des Nordens´ sagt man dazu auch.“ Im Camper wird auf der Herdplatte dann zum Beispiel Marmelade eingekocht.
Die Zielorte der beiden: „Möglichst weit rauf und weg vom Tourismus. Kein Stress, einfach die Ruhe genießen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen!“ Lagerfeuer, Angeln, einfach sein. Mit dem Van reist das Paar dann mehrere Wochen umher, der Rekord liegt bei 8000 gefahrenen Kilometern auf drei Wochen. An abgelegenen Naturrastplätzen, möglichst außerhalb der Saison, Sommer wie Winter, erleben sie oft ganz alleine die vollkommene Ruhe der Natur. „Am liebsten an einem Fluss zum Fischen.“ Per QR-Code könne eine Fischerkarte gekauft werden, auch bezahlt werde so, „oder man wirft das Geld einfach ganz unkompliziert in einen Briefkasten.“
Lieber Sommer oder Winter? „Schwierig, im Sommer kann ich mehr zupfen, aber ich bin einfach ein Winterkind!“ Schnee und Eis, Temperaturen um die minus 20 Grad, Lagenlook aus mehreren Hosen und Jacken. Und doch einzigartige Erlebnisse: Hundeschlittenfahren, spazieren oder Schlittschuhlaufen auf kilometerweit zugefrorenen Seen. „Das ist unbeschreiblich! Und zum Beispiel einen Elch einfach mal in freier Wildbahn zu treffen, ist schon cool.“ Anna grinst und die Vorfreude macht sich breit, als sie die selbst eingebaute Ausstattung des Vans erklärt. „Ende September geht´s wieder los!“ Von der vertrauten Abgeschiedenheit der Froschmühle in die unberührte Weite des hohen Nordens.
Der Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: Vom Gassigehen mit Dackel Theo kommt Anna regelmäßig vollbepackt mit verschiedensten Heilpflanzen nach Hause.








