Ehrenamtliche Hilfe im Wert von 200.000 Euro
Erste Führung durch das neue Prackenbacher Feuerwehrhaus – Senkung der Kosten für die Gemeinde durch den Einsatz der Vereinsmitglieder auf rund 1,6 Millionen
Prackenbach. Neunzehnhundertelfeinhalb. Stefan Pritzl grinst bei seiner Antwort auf die Frage, wie viele ehrenamtliche Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder denn nun eigentlich ´ungefähr´ im neuen Feuerwehrhaus stecken. Bei einer ersten Führung durch die neuen Räumlichkeiten in der Ringstraße zeigen die Prackenbacher Führungskräfte und der Bürgermeister, welche Erleichterungen der neue Standort für die Einsätze und Feuerwehrarbeit mit sich bringt. Außerdem gibt es Lob, viel Lob, für sämtliche Helfer und Spender und Sponsoren, die durch ihren Einsatz die Umbaukosten um die beträchtliche Summe von rund 200.000 Euro, so die freudige Schätzung von Bürgermeister Andreas Eckl, gesenkt haben. Somit habe der Umbau einer Lagerhalle in das neue Feuerwehrhaus – technisch auf dem neuesten Stand – in Summe mit Grunderwerb, Umbau der Halle, Außenanlagen und Planerarbeiten um die 2.040.000 Euro gekostet. Mit einem Zuschuss in Höhe von 411.000 beläuft sich der Eigenanteil für die Gemeinde auf 1.629.000 Euro. „Wir konnten deutlich unter dem geplanten Ansatz von 2.463.000 Euro für das gesamte Projekt bleiben!“
Die rote Fassade leuchtet schon von Weitem und signalisiert das Heim der Feuerwehr, das nun am Ortseingang des Dorfes platziert ist. Nahe der B 85 und von allen Richtungen her gut – und vor allem schnell – zu erreichen, was als einer der größten Vorteile hervorgehoben wird. Vor Ort sind neben Eckl und drittem Kommandanten Pritzl auch der erste Kommandant Thomas Santl und Vorsitzender Martin Heiland. Voller Stolz sitzen sie am Tisch im neuen Aufenthaltsraum mit Küche. „Die ist übrigens auch von uns selbst gekauft worden“, betonen die Feuerwehrler zufrieden. Daneben seien unter anderem die komplette Ausrüstung der Büroräume, die Türen, eine Durchreiche von Küche nach Schulungsraum sowie eine Werkbank, ein Hubwagen (und vieles mehr) gesponsert und selbst eingebaut worden. In der Kooperation aus Arbeiten des gemeindlichen Bauhofes, Hilfe durch Ehrenamtliche und der Arbeit der Baufirmen sei alles Hand in Hand gegangen, betont der Bürgermeister. „Der Höhepunkt der ehrenamtlichen Leistungen waren die Verputz- und Malerarbeiten, alles wurde von Vereinsmitgliedern in Eigenleistung erbracht.“ Auch die Reinigungsarbeiten zwischenzeitlich und schlussendlich vor dem großen Umzug ebenso wie die regelmäßige Verpflegung der auf der Baustelle Arbeitenden werden hervorgehoben.
Lob für Stefan Pritzl als „Baustellenkoordinator“
„Und eines möchte ich bitte lesen: den Wahnsinns-Einsatz von Stefan Pritzl.“ Martin Heiland schaut seinen Kameraden an, der bescheiden schmunzelt und mit den Augen rollt. „Doch, doch, das soll ruhig bekannt sein!“, legt Heiland nach und bekommt Unterstützung von den anderen: „Auf jeden Fall!“ Den inoffiziellen Titel des „Baustellenkoordinators“ verleihen sie ihm. Er sei als Bauhofmitarbeiter das Bindeglied zwischen Gemeinde, Ehrenamtlichen und Baufirmen gewesen und habe auch außerhalb seiner Arbeitszeit etliche Stunden auf der Baustelle verbracht.
Was halten die Feuerwehrler neben der idealen Lage für den weiteren größten Vorteil? Sie überlegen: „Für uns ist das alles schon so normal mittlerweile, da müssen wir zurückdenken und vergleichen“, lacht Martin Heiland. Doch schnell sind sie sich einig, dass die Erweiterung der Stellplätze von zwei auf drei, optional in der Zukunft auf vier, einer der maßgeblichen ist. Der dritte Stellplatz in der Kalthalle, die jedoch beheizbar wäre, wird auch bald belegt sein. Neben dem vor zwei Jahren neu angeschafften TLF 3000 und dem HLF 20/16 wird als drittes Fahrzeug ein TSF hinzukommen. „Bestellt ist es schon und wird um die 70.000 Euro kosten“, so Eckl, voraussichtliche Lieferzeit: sechs bis acht Monate. Es handelt sich um ein gebrauchtes Modell, das sieben Personen Platz bietet und das als Mehrzweckfahrzeug genutzt werden kann, unter anderem zum Transport von Zubehör. Weiterhin könnten die Hallen im alten Feuerwehrhaus in der Wiedenhofstraße nun vom Bauhof mitgenutzt werden, „zwei Fliegen mit einer Klappe“, witzelt Eckl.
Neu: Feuerwehrstammtisch jeden Dienstag ab 18.30 Uhr
Zurück am Stammtisch, der übrigens ab sofort jeden Dienstag ab 18.30 Uhr besetzt ist und zu dem alle Mitglieder eingeladen sind, wie betont wird. „Mit dem neuen Feuerwehrhaus konnten wir außerdem ein weiteres Gebäude im Ortskern mit Leben füllen, ähnlich wie auch das Bürgerhaus“, erklärt der Bürgermeister zufrieden nickend. Aktive und passive Mitglieder haben hier die Möglichkeit, zusammen zu kommen. Was alle besonders freut: Auch die Feuerwehrjugend, die ebenfalls zum wöchentlichen Stammtisch eingeladen ist, hat einen eigenen Raum. Gemütliches Sofa, Kickerkasten und bald sogar eine Spielekonsole – ebenfalls finanziert durch eine großzügige Spende und eine Förderung der DSEE (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt).
Weiter geht die Führung durch den großzügigen Schulungsraum, vorbei an Büroräumen, die Treppe hinunter und Richtung Halle. Die Spinde mit der Einsatzkleidung wurden aus der Fahrzeughalle ausgegliedert, „das ist schon sehr gut bei Einsätzen“, so Kommandant Santl. Für 70 Aktive ist Platz, um die 60 Spinde sind derzeit belegt. Jeder verfügt über ein mit Code gesichertes Fach. An der Decke laufen Schläuche eines Belüftungssystems, das sich auch durch die Fahrzeughalle zieht. Bevor die betreten wird, schreiten die Feuerwehrler seitlich durch eine Tür in einen Lagerraum, der ebenfalls die beiden Bereiche des Vereins zeigt: Neben Schläuchen, Reifen und Einsatzgerätschaften lagern hier auch Biergarnituren und Dinge, die Einsatz im gesellschaftlichen Dorfleben finden.
Im Technikraum befindet sich eine Wärmepumpe mit Heizstab, auf dem Dach des Feuerwehrhauses ist eine PV-Anlage mit Pufferspeicher installiert, „zu einem großen Teil sind wir hier autark“, erklärt Eckl. Durch eine kleine Werkstatt mit Werkbank – nicht nur im Löschangriff sind die Prackenbacher Kameraden geübt, sondern auch im Reparieren – geht´s endlich in das Herzstück des Feuerwehrhauses: die rund 185 Quadratmeter große Halle, in der die beiden Einsatzfahrzeuge thronen. Langsamen Schrittes gehen die vier von einem Ende ans andere. Lassen selbst ihre Blicke nochmals schweifen, stolz, auf das Erreichte. Stolz auf die freiwilligen und ehrenamtlichen Arbeitsstunden ihrer Vereinskameraden. Wie im Einsatz konnten sie aufeinander zählen.
„Ausdrücklich möchte ich nochmals alle, die in irgendeiner Weise beteiligt waren, zur großen Helferfeier am 8. November einladen“, sagt Bürgermeister Eckl abschließend. Der Samstagabend soll mit Bewirtung und musikalischer Unterhaltung alle Beteiligten zumindest etwas entlohnen. Für die Allgemeinheit wird es am Donnerstag, 4. Dezember, die Möglichkeit geben, das neue Feuerwehrhaus zu besichtigen. Die Bürgerversammlung wird im großen Schulungsraum abgehalten, im Anschluss findet für Interessierte eine Führung durch die Räumlichkeiten statt.
Fotos: Lisa Brem
Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: Das Herzstück des neuen Feuerwehrhauses: die Fahrzeughalle mit drei Stellplätzen, optionale Erweiterung auf vier möglich.








