Raus aus Erwartungen – rein ins Leben
„My Way“ auf der GutsAlm Harlachberg: „frisch&faltig“ begrüßen drei Gäste mit außergewöhnlichen Lebenswegen auf der Couch
„Na, Lisa, warst du auch so ein süßes, braves Kind? Von mir weiß es zum Glück keiner mehr!“ Erstes, amüsiertes Schmunzeln geht durch den Raum, als Lydia Schmidberger – die „Faltige“ – ihrer „frischen“ Kumpanin Lisa-Marie Högerl die durchaus ernst gemeinte Frage stellt und damit auf deren Lebenswandel anspielt. Sie resultiert aus der ausdrucksstarken Auftakt-Performance des Songs „Junge“ der Gruppe „Die Ärzte“, den die Boy Band des Abends packend interpretiert hatte. Auch darin wird in ironischer Weise der Erwartungsdruck an ein vorbildhaftes und „normales“ Leben thematisiert. Dass eben ein solches oft nicht erhofftes Glück und Erfüllung bringt, war am vergangenen Donnerstag das Thema des Abends unter dem Motto „My Way“ auf der GutsAlm Harlachberg.
Als „frisch&faltig“ hatten die beiden Podcasterinnen aus Prackenbach drei Menschen mit außergewöhnlichen Lebenswegen zum ehrlichen, echten Austausch auf die Blümchencouch eingeladen. Umrahmt wurde die amüsante und zugleich nachdenklich und kritisch stimmende Veranstaltung von drei hochkarätigen Musikern: Sebastian Mayer, Sebastian Hagengruber und Tobias Stiedl.
Das mache man halt so, denn: „Wos song denn sonst d´Leid?“ Dieser Gedanke ziehe sich durch das Leben vieler, so die einleitenden Worte. Am Ende des Lebens tauche dann leider oft die Frage auf: „War das eigentlich mein Leben?“ Nicht „gscheidhaferln“, wolle man, sondern anregen, ehrlich auf das eigene, derzeitige Leben zu blicken und vielleicht etwas zu verändern. So, wie es die drei Gäste des Abends gehandhabt hätten.
Anna Hastreiter: Lebenserfüllung in Hilfsorganisation
Nach einer humorvollen Vorstellungsrunde und einer spektakulären Gesangsdarbietung von Sebastian Hagengruber – „My Way“ von Frank Sinatra – nahm als erste Anna Hastreiter mit Lisa-Marie Högerl auf der Couch Platz. Sie begann mit einem Rückblick auf ihr Leben: von der faulen Schülerin zur Medizinischen Fachangestellten, zum Abitur und zur Lehrerin. Zum Umdenken für mehr Einsatz gebracht hätten sie Erlebnisse im Umfeld von finanziell abhängigen Frauen, das habe sie anders machen wollen. Und in ähnlicher Weise hilft sie seit zehn Jahren Frauen und Mädchen auf den Philippinen, indem sie durch ihre Hilfsorganisation „FiliPa e.V.“ Zugang zu Bildung und damit Unabhängigkeit und Aufklärung ermöglicht. Bereits als Kind sei sie oft als „Mutter Theresa“ bezeichnet worden, habe stets versucht, allen zu helfen, erzählte sie mit ihrer packend-fröhlichen Art und stets einem Grinsen im Gesicht.
Ihr Engagement für die Bekämpfung der Armut sei in gewisser Weise aber auch ihr „nicht-physisches“ Baby. Denn die heute 35-Jährige musste bereits zwei schwere Schicksalsschläge überwinden, von denen sie in ergreifender und doch ermutigender Weise berichtete. Nachdem sie trotz Kupferspirale ungewollt schwanger geworden sei und sich für das Kind entschieden hatte, kam es durch Komplikationen zu einer Frühgeburt in der 24. Woche, nach der das Kind wegen nichtausgebildeter Lunge verstarb. Anna erzählte von Schmerz und Trauer und, dass beides in komplett unterschiedlicher Weise ausgelebt werden könne. Einige Jahre später folgte eine tragische Analogie: Auch sie erhielt die Diagnose einer schweren Lungenkrankheit, die weitere Schwangerschaften ausschließt. Ihr Ratschlag für´s Leben: eine gesunde Prise Humor, füreinander da sein und „ins Tun kommen!“ Zum Abschluss performte die Powerfrau gemeinsam mit den „Bad Boys“ den Song „Nothing´s gonna stop us now“ und lieferte damit das musikalische Pendant zu ihrem Interview.
Der „Glücksfall für Prackenbach“, wie Lisa-Marie Högerl Jochen Lümmen willkommen hieß, war als nächstes dran. „Hätte mir vor zwei Jahren einer gesagt, dass wir bald einen männlichen Yoga-Lehrer im Dorf haben, hätte ich ihn ausgelacht!“, so die direkte Einführung der „frischen“ Moderatorin. Nach einem Leben des Halbbelgiers im Schwarzwald als „guter Junge ohne Löcher in der Hose“, mit Studium und Erfolg im Job – „Jochen hat die größte Achterbahn im Europapark mitkonstruiert, der ist nur so bescheiden!“ – folgte eine ungewisse Zeit des Umdenkens. Immer mehr Termindruck und Stress, den er auch mit nach Hause genommen habe, in Kombination mit Kurztrips an jedem Wochenende zum Extrem-Downhillfahren seien zu viel geworden. „Ich habe mein Leben geliebt“, so Jochen. Trotzdem rebellierte der Körper: Schwindel und Sehstörungen, erstmals auf der Downhillstrecke.
Jochen Lümmen: „Ich habe mich anfangs mit der Yoga-Matte hinterm Camper versteckt!“
Irgendwann war klar: „Da stimmt was nicht.“ Die Ärzte fanden keine Ursache, das Umdenken hin zu mehr Ruhe und Besinnung begann. Mit dabei war stets seine aus Prackenbach stammende Frau Sandra. Ein Tipp bringt die beiden zu Yoga und Ayurveda. „Anfangs habe ich mich mit meiner Matte hinter dem Camper versteckt! Für mich waren das immer Männer in Strumpfhosen“, gab Jochen grinsend zu und erntete amüsiertes und gleichzeitig bestärkendes Lachen aus dem Publikum. Es folgte eine intensive Zeit: Im unbezahlten Urlaub absolvierte das Paar eine mehrwöchige Ayurveda-Kur in Sri Lanka. Jochen ist überzeugt: Mit seinem so vorbereiteten Körper konnte einige Wochen später ein Chiropraktiker endlich die Blockade lösen und ihn von seinen Symptomen befreien. Den beschrittenen Weg behielt das Paar, das seit rund zwei Wochen Eltern einer kleinen Tochter ist, bei. Beide schlugen beruflich die Laufbahn als Yoga-Lehrer („Healing Balance“) ein und gingen zurück nach Prackenbach. Für weitere Lacher sorgte die Beschreibung von Lisa-Marie Högerl: „Vom klassischen Mann, dem Skeptiker, zum Yoga-Lehrer – und das, bei den Fußballern im Vereinsheim!“ Zum Abschluss nahm er ihre Herausforderung an und zeigte einen Kopfstand auf der Bühne.
Regina Stoiber: „Je größer du dir erlaubst, zu denken, desto größer kann dein Leben sein!“
Mit „Wo fahrma hi – eine ins Lem“ ging´s in die Pause, nach der sich Regina Stoiber („Die Datenbeschützerin“) auf der Couch mit Lydia Schmidberger niederließ. Die erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter zweier Kinder, die bereits als Speakerin auf dem „Greator Festival“ in Köln war, erzählte in berührender Weise aus ihrem Leben und davon, wie es dazu kam, dass sie zur Buchautorin wurde. Eine reflexartige Ohrfeige aufgrund von Überforderung im Familienalltag, sei für sie ein Signal gewesen, innezuhalten. „Vertrau dir wieder!“ – das wolle sie mit ihrem Buch überforderten Eltern an die Hand geben und Wege beschreiben, wie sie persönlich besser mit herausfordernden Situationen umgehen könne. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der anstehende Lebensabschnitt der Familie, den diese gemeinsam in Australien verbringen wird. Das sei keine rationale Entscheidung, aber die gesamte Familie stehe dahinter – „die Puzzlestücke in unserem Leben haben sich jetzt genau so gefügt!“
Sie legte dem Publikum einen Grundsatz ans Herz: „Je größer du dir erlaubst, zu denken, desto größer kann dein Leben sein!“ Auf die Frage nach dem weiteren Lebensweg, antwortete Regina: „Ich glaube nicht, dass Australien die letzte Station ist.“ Weiterhin sei ihr nächster Traum die von ihr gegründete „Wisdom for Good“-Akademie größer zu machen, mit der sie Familien unter anderem bei der Entwicklung helfen wolle, selbst herauszufinden, wer genau man im Leben sei und sein möchte.
Mit „Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei! Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehn!“ sangen Boy Band und Publikum zum Abschluss gemeinsam lautstark und ausgelassen das Resumée von „My Way“. „frisch&faltig“ beendete das Programm mit einer Herzens-Buchempfehlung: „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“. Auf Platz eins: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben – und nicht das Leben, das andere von mir erwarteten!“
Der Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.
Bild zur Meldung: Raus aus Erwartungen – rein ins Leben








