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Gemeinsam im Glauben weiterbestehen

Prackenbach, den 30.​10.​2025

Erfahrungsberichte aus der Pfarreiengemeinschaft Viechtacher Land: Verantwortliche tauschten sich über bisherige Abläufe aus

 

Viechtach/Prackenbach/Moosbach. Jeder soll die Möglichkeit haben, eine Heilige Messe zu besuchen, wenn er es wünscht. Dieses Ziel – und im Gegenzug die größte Sorge vieler Betroffener – haben die Verantwortlichen für die Großpfarrei Viechtacher Land erreicht. Dessen sind sie sich einig. Seit Anfang des Jahres gehören die Pfarreien Viechtach, Prackenbach und Moosbach mit der Filiale Krailing nun zusammen. Bei einem Treffen im Viechtacher Pfarrhof berichten Pfarrer Werner Konrad und die drei Pfarrgemeinderatssprecherinnen von einer bisher reibungslos verlaufenden Kennenlernphase und Zusammenarbeit, von Herausforderungen bei der Organisation und der Notwendigkeit, das Beste aus der Situation zu machen. Denn die Zukunft werde zwangsläufig weitere Fusionen mit sich bringen.

 

Als im Januar bekannt geworden sei, dass die Zusammenlegung der Pfarreien nun doch unerwartet schnell vollzogen werden solle, sei von vielen Seiten eine Befürchtung thematisiert worden: „Auch zu großen Glaubensfesten wird es bei uns nun keinen Gottesdienst mehr geben!“ Die beiden Pfarrgemeinderatssprecherinnen aus Prackenbach und Moosbach, Margit Eidenschink und Judith Schedlbauer, berichten jedoch einstimmig, dass sich dies schnell zerschlagen habe. „Gleich an Ostern war in jeder Kirche das volle Programm geboten!“, erinnert sich Margit Eidenschink, „alles hat wunderbar funktioniert.“ Und diese gut funktionierende Organisation ziehe sich seither durch alle Feste. „Natürlich gibt es immer Leute, denen etwas nicht gefällt, doch der Großteil ist absolut zufrieden mit den Abläufen!“, sagt Judith Schedlbauer.

 

Am stärksten betroffen sind die Filialen

 

Zustimmung kommt auch von Pfarrer Werner Konrad – zumindest in Hinblick auf die drei Pfarreien. „Wer aber am stärksten hat bluten müssen, das sind die Filialen“, gibt er zu bedenken. Dort gebe es nur noch jede fünfte Woche einen Sonntagsgottesdienst, das sei für viele eine große Enttäuschung, aber leider nicht anders zu handhaben. Jeder habe zwar die Möglichkeit, stattdessen in eine der Pfarrkirchen zum Gottesdienst zu kommen, die Hoffnung, dass man im Glauben zusammenrücken könne, habe sich aber leider nicht bewahrheitet. „Es gibt nur wenig Neugier, sich mal eine Kirche und einen Gottesdienst in einem anderen Ort anzusehen.“ Andererseits wisse er, dass die Kirche gerade für kleinere Dörfer ein wichtiger Ort des Dorflebens sei, wo die Gemeinschaft zusammengehalten werde, und dafür müsse man auch Verständnis haben, wie der Pfarrer hinzufügt. Auch Gabriele Atzinger, die Viechtacher Pfarrgemeinderatsvorsitzende, bewertet die Situation ähnlich. Finde keine Heilige Messe im eigenen Ort statt, gehe man halt auch nicht hin. 

 

Wer seit dem Zusammenschluss einer um einiges höheren Belastung ausgesetzt ist, das seien die Angestellten der Pfarrbüros, vor allem des Viechtachers. Die Koordination der vielen Termine habe es in sich, so Konrad, der den Einsatz der Beteiligten in den höchsten Tönen lobt. Von Moosbach und Prackenbach würden die Daten geliefert, in Viechtach der gemeinsame Pfarrbrief erstellt.

 

Neben den zahlreichen festen Veranstaltungen kommen weitere, für die Geistlichen unvorhersehbare, hinzu, wie unter anderem Beerdigungen. Pfarrer Konrad, Pfarrvikar Anton Kopp, Pfarrvikar Kiran Varigeti und seit Kurzem teilweise auch Ruhestandspfarrer Alexander Alevenathodukayil teilen diese in wöchentlichen Dienstbesprechungen untereinander auf. Es sei ihm wichtig, dass man sich abwechsle, jeder Pfarrer in jedem Ort präsent sei, erklärt Konrad. Er sähe es mit Vorsicht wenn sich „Fanclubs“ für einzelne Geistliche bildeten, die dann danach die Gottesdienste auswählten. Daher werde die Zuteilung nicht schon vorab im Pfarrbrief veröffentlicht, auch eine gewisse Planungsfreiheit und spontane Anpassungsmöglichkeiten seien hier wichtig.

 

In jeder Pfarrei ist ein Geistlicher vor Ort

 

Eine freundschaftliche Beziehung wie in früheren Zeiten, als man als Pfarrer noch alle Gläubigen persönlich kannte, sei heute schlichtweg nicht mehr möglich. Alleine wegen der Anzahl der Gläubigen in der Großpfarrei. Als sehr positiv sehen deshalb sowohl Pfarrer Konrad als auch die beiden Pfarrgemeinderatssprecherinnen, dass in jeder Pfarrei ein Geistlicher vor Ort ist – näher an den Leuten: In Moosbach bewohnt Pfarrvikar Anton Kopp den Pfarrhof, in Prackenbach Ruhestandspfarrer Alexander Alevenathodukayil. Auch in den drei Pfarrbüros gebe es nach wie vor feste Sprechzeiten.

 

Derzeit sind noch keine größeren gemeinsamen Veranstaltungen geplant, „wir befinden uns selbst noch in der Kennenlernphase!“, sagt Gabriele Atzinger augenzwinkernd. Ab kommendem Jahr wird es einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat geben, das soll auch die Organisation erleichtern. Die Gemeinschaft soll sich auf die Ministranten und jungen Gläubigen erstrecken, unter anderem gibt es künftig einen gemeinsamen Firmtermin für Viechtach, Prackenbach und Moosbach, der Firmgottesdienst wird in Viechtach zelebriert werden.

 

Lob für harmonische Abläufe bei der Fusion der drei Pfarreien

 

Für die bisherigen Abläufe haben sowohl Pfarrer als auch Pfarrgemeinderatsvertretungen nur Lob übrig: Als „wunderbare Gemeinschaft“, in der stets Hilfe zu erwarten sei, bezeichnen sie das Team der Großpfarrei. Das sei in anderen Pfarreien bei Fusionen schon oft anders gewesen, weiß Konrad. Auch die Leute hätten Verständnis: „Sie verstehen, dass das kein böser Wille ist, wenn etwas anders ist als vor zehn, 20 Jahren. Sie verstehen auch, dass es in dieser Welt gar nicht anders geht.“ Derzeit befinde man sich in der Übergangszeit, bis 2034 werden gemäß den Plänen der Diözese Regensburg noch Kollnburg und Kirchaitnach zur Großpfarrei kommen. Dann werden zwangsläufig weitere Rationierungen folgen müssen. „Die jetzige Situation haben wir gut gelöst, fast ausnahmslos alles ist sehr harmonisch abgelaufen“, so Konrad. „Solange ich hier Pfarrer bin, wird aber keine weitere Pfarrei hinzukommen!“ Er sei nicht mehr der jüngste und ein weiteres Mal alles neu regeln und planen, das werde er nicht übernehmen.

 

Dennoch sei sicher, dass die jetzige Großpfarrei Viechtacher Land nur der Anfang ist. Weniger Priester, weniger Gläubige – „in 20, 30 Jahren wird das alles ganz anders aussehen.“

 

Dieser Bericht wurde von der Journalistin Lisa Brem verfasst und für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.

 

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