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"Countrysaloon Nashvilla"

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Kampf gegen das Wirtshaussterben

(08. 03. 2016)

Roland Geiger erzählt von seinen Erfahrungen als Kneipenbetreiber und Gastwirt

 

(Quelle: Viechtacher Anzeiger / Kötztinger Zeitung, von Lisa Wieland)

 

Prackenbach. Gleich früh morgens nach der ersten Arbeit ins Wirtshaus zum Frühschoppen, am Stammtisch hängen bleiben und in Dreierreihen rund herum sitzen, damit man nicht an einen anderen Tisch muss. Nebenbei werden natürlich einige Halbe getrunken. Aus alten Erzählungen oder Heimatfilmen kennt man solche Szenen noch, doch in der heutigen Zeit wird es schwierig, diese real mitzuerleben. Richtig gemütliche, urige „Bauernwirtshäuser“, wie sie früher genannt wurden, sind zu einer Seltenheit geworden. Gastwirt Roland Geiger – oder „da Brei“, wie er in Prackenbach genannt wird – beschreibt im Gespräch mit dem Viechtacher Anzeiger, warum es seiner Ansicht nach so weit gekommen ist und wie er sich dem widersetzt.

 

Geigers Onkel hatte eine Brauerei mit Wirtshaus in Prackenbach, welche aber 1974 aufgegeben wurde. 1989 übernahm der heute 50-Jährige als junger Bursche und gelernter Koch das Wirtshaus und erkannte bald, dass es so nicht weitergehen kann. Anfangs war es normal, dass um 9 Uhr schon 20 Leute im Wirtshaus waren und an einem Tag ein 75-Liter-Fass geleert wurde. „Trank einer ‘nur’ fünf Halbe, hat es oft geheißen ‘Hast du keinen Durst?’“, erzählt er grinsend.

Für den Entschluss, das Wirtshaus aufzugeben und dafür eine Kneipe zu eröffnen, war zum einen sein junges Alter ausschlaggebend. Es sei einfach die Zeit der Discos gewesen – für ihn selbst und auch generell für junge Leute – und er wurde des Öfteren als „Fledermaus“ bezeichnet, „weil ich in der Nacht wach bin und am Tag schlafe. Um sieben Uhr wollten die ersten ihr Bier.“

Der zweite Grund: fehlende Einnahmen – „Es ist einfach nichts mehr gegangen.“ Unter anderem hatte damals das SV-Vereinsheim aufgemacht. „Vereine haben die Wirtshäuser früher durchgebracht“, ist Geiger überzeugt. Die vielen Veranstaltungen, wie Versammlungen oder Feiern, wurden dort abgehalten. Heute haben viele Vereine ein eigenes Vereinsheim, das sie auch nutzen.

 

Ohne Vereine kein Wirtshaus

 

Auch, dass es keine kleineren Bauern mehr gibt, die zum Frühschoppen kommen könnten, trägt seiner Meinung nach zum Wirtshaussterben bei. „Es gibt nur noch Großökonomen, die fast im Fabrikstil arbeiten, früher konnte man von zehn oder zwanzig Kühen leben.“ Diese Zeiten sind längst vorbei, die Gesellschaft habe sich grundlegend geändert. Zufrieden waren die Leute früher auch mit wenig, heute will jeder nur noch mehr und besser sein, als der andere, wie der Gastronom darlegt. Verschiedene Biersorten habe es lange nicht gegeben, „alle haben einfach ein Helles getrunken“.

Auch die Ansprüche der Gäste sind gestiegen. Das hängt mit dem anderen Lebensrhythmus zusammen. Wenn die Leute bis 6 oder 7 Uhr arbeiten, ist es ganz normal, dass nach 9 Uhr noch ein warmes Essen bestellt wird. Und auch an Wochenenden, wenn erst um 10 Uhr gefrühstückt wird, muss nach 14 Uhr noch etwas bestellt werden können, sagt Geiger. Durchgehend warme Küche sei deshalb in der heutigen Zeit ein Muss. Viele Gastronomen, die während der Hochkonjunktur der 70er und 80er im „Größenwahn“ lebten, haben seiner Meinung nach darauf keine Rücksicht genommen und dies büßen müssen. „Wenn Gäste bis halb zwei nicht pünktlich da waren, hat es geheißen ‘Geh hin, wo du willst, bei mir gibt’s nichts mehr!’“

 

Nebenaufgabe des Gastwirtes: Seelsorger

 

Ebenso betreffe dies das Anrichten der Speisen. Nur fünf oder sechs Gerichte und auf dem Teller einen riesen Knödel, eine dicke Scheibe Fleisch und einen Haufen Sauerkraut – Hauptsache: wenig Arbeit – das gehe heute nicht mehr.

Außerdem müsse auch der Wirt präsent sein, „viele wollen sich aber nicht wegen zwei oder drei Gästen hinhocken. Als Wirt muss man aber da sein, man ist auch eine Art Seelsorger“, so der Gastronom.

Vor 35 Jahren habe es alleine im Dorf Prackenbach vier Wirtshäuser gegeben, die in der Ferienzeit jeden Mittag ungefähr 100 Essen verkauft haben. Irgendwann seien dann weitere Urlaubsreisen erschwinglich geworden, was sich natürlich auch auf die heimische Gastronomie negativ auswirkte. „Auf einmal  konnte sich jeder leisten, wegzufliegen“, die Gaststätten zu Hause blieben leer.

Ein sehr wichtiger Punkt sind Geigers Ansicht nach auch die in den letzten Jahren verstärkten Kontrollen der Polizei. „Früher war das mit dem Trinken und Fahren nicht so streng.“ Jedoch wolle er auch darauf hinweisen, dass er bis 1992 fast jedes zweite Jahr einem guten Bekannten deswegen ins Grab schauen musste, „deshalb will ich dagegen nichts sagen“. Es sei ja richtig so.

Das Rauchverbot, das allgemein oft als ein Grund für die sinkende Wirtshauskultur bezeichnet wird, habe jedoch nur kurzzeitig einen negativen Effekt gehabt. Es gebe zwar ein paar Uneinsichtige – „zu einer gemütlichen Kartenspielrunde gehört das Rauchen eigentlich dazu“ – aber die meisten Raucher haben sich damit abgefunden und finden es mittlerweile ebenfalls angenehmer, draußen zu rauchen, so Geiger.

Allerdings erkenne er einen Einbruch, seitdem Hartz IV anstatt Sozialhilfe eingeführt wurde. „Auch wenn die Leute keine Arbeit hatten, haben sie Geld für’s Wirtshaus gehabt, mit Hartz IV ist das jetzt anders, das kann sich keiner mehr leisten“.

Und trotzdem: Roland Geiger beweist, dass es auch anders geht. Nachdem 2011 ein Brand die Kneipe in Prackenbach vernichtete, baute sich der 50-Jährige etwas Neues auf: das Countrylokal Nashvilla und die Mulberry-Ranch. Als „zurück zu den Wurzeln“ könnte man dies bezeichnen, denn dort überwiegt wieder der gemütliche Wirtshaus-Charakter.

„Mittlerweile bin ich einfach zu alt für Discos“, erklärt Geiger augenzwinkernd. Und auch der Trend gehe seiner Meinung nach wieder weg von den dunklen, lauten Lokalen, was seine Nashvilla zeige, mit der er sich dem Wirtshaussterben widersetzt.

 

Foto: Das Countrylokal Nashvilla von Roland Geiger (li.) widersetzt sich dem Wirtshaussterben, der Gastwirt wird unter anderem von seinem Sohn Daniel Eidenschink-Geiger im Service unterstützt. (Foto: Wieland)

Foto zur Meldung: Kampf gegen das Wirtshaussterben
Foto: Kampf gegen das Wirtshaussterben

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